KidsDeal-Gewinnspiel: 2 x 2 Eintrittskarten für „Das tapfere Schneiderlein und die mutige Prinzessin“

Vom 12. bis 19. Dezember erleben Kinder und deren Eltern im Dock 11, in der Kastanienallee 79 in Berlin, ein Weihnachtsmärchen der besonderen Art. Passend zum Grimm-Jahr erwartet sie mit „Das tapfere Schneiderlein und die mutige Prinzessin“ ein starker Held, der im Laufe der Geschichte über sich selbst hinauswächst, eine freche Prinzessin, eine taube Taube, riesige Riesen, ein einsames Einhorn, eine wilde Wildsau, ein habgieriger Prinz und jede Menge Fliegen. Unglaublich rasant und voller Energie entführen die Zwillinge Laura und Lisa Quarg, die alle Rollen selbst spielen, kleine und große Zuschauer in die von Tobias Bungter verfasste moderne Adaption des Märchens der Brüder Grimm.

Neben der bekannten Schneiderlein-Thematik, will die Produktion auch auf aktuelle soziale Probleme hinweisen. Die tapferen Schneiderlein von heute sind Kinder, die zu einem Hungerlohn die Kleidung der Mode-Discounter nähen. Diese politische Komponente steht zwar nicht im Vordergrund, ist aber doch stets präsent und soll vor allem die Eltern zum Nachdenken anregen. Ein Erlebnis für die ganze Familie, geeignet für Kinder ab 5 Jahren.

Karten bekommt man allen bekannten Vorverkaufsstelle, im Dock 11 und im Spielzimmer in der Schliemannstraße 37, Berlin.

KidsDeal verlost 2 x 2 Eintrittskarten

… für die Vorstellung am Sonntag, 16. Dezember, um 17 Uhr. Einfach eine Mail mit dem Stichwort „Gewinnspiel“ und vollständiger Adresse senden an info(at)kidsdeal.de.Die Gewinner werden schriftlich informiert. Teilnahmeschluss: Montag, 10. Dezember. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Synchron-Schauspielerin Arianne Borbach: Spielen für Kinder macht Spaß!

Von Benjamin Vahldiek

Sie ist Uma Thurman, Catherine Zeta-Jones, Milla Jovovich, Cate Blanchett oder Tilda Swinton in einer Person…

Nein, die Dame ist nicht schizophren. Sie ist Schauspielerin. Und sie ist die deutsche Synchronstimme vieler Superstars. Ich rede von Arianne Borbach, die bereits über 500 Synchronrollen gesprochen hat…

und die ich interviewen durfte!

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Die vielseitige Künstlerin wurde auf dem Nationalen Spielfilmfestival der DDR als beste Darstellerin ausgezeichnet und erhielt 2009 den Synchronpreis “Die Silhoutette” für herausragende schauspielerische Leistung im Film “Der Nebel”. Klingonische Sätze lieferte sie bei ihrer Arbeit für “Raumschiff Voyager” ab.

Auch Kindern und Jugendlichen dürfte ihre Stimme bestens bekannt sein: In der TV- und Hörspielserie “Bibi und Tina” spricht sie die resolute Reiterhof-Besitzerin Susanne Martin, im Zeichentrick-Hit “Jim Knopf” gab sie grandios eine Dämonenschwester und in den aufwendig produzierten Audio-Abenteuern von Titania Media (z. B. Gruselkabinett) ist sie in vielen Hauptrollen als Geist, Vampir oder Geliebte zu hören.

Zahlreiche weitere Hörspiel- und Fernsehrollen (“Wolffs Revier”, “SOKO 5113″, “Unser Charly”, “Hallo, Oncel Doc”) kommen hinzu.

Welches sind die Helden deiner Kindheit? Warum?

Auweia! Sorry, aber das weiß ich so aus dem Kopf nicht. Einige jedenfalls. In der DDR haben wir wunderbare Hörspiele produziert. In besonderer Erinnerung geblieben ist mir zum Bespiel „Das hässliche junge Entlein“, die Geschichte der alten Ente, die mal eine Affäre mit dem schönen Schwan hatte. Sehr rührend und lustig! (Sie fängt an zu schnattern) „Ich bin `ne alte Ente!“ Leider besitze ich diese Aufnahme nicht mehr. Hab die Kassette mal verschenkt und nie wiederbekommen.
Auch hab ich auch die Schallplatte vom „Feuerzeug“ leider nicht mehr. Die Inszenierung war von AMIGA – das war auf der Rückseite vom Reichstagsgebäude, wo du dich ausweisen musstest, weil es ja im Sperrgebiet lag. Da gab ich die herumwundernde Prinzessin und der großartige Hans-Jürgen Hürrig den Helden. Ich dachte nur „Wo bin ich? Was geschieht mit mir?“

Naja, und dann durfte ich vor einigen Wochen „Bettina bummelt“ für eine CD lesen. Elizabeth Shaw. Eine ganz kurze liebevolle Geschichte.

Als die Anfrage von „Lübbe“ kam, konnte ich nur antworten: „Herzlich gern! Und Sie brauchen mir auch nicht den Text zu senden“. Denn ich besitze das Buch „Mehr Geschichten für Kinder“ selbstverständlich.
Ich möchte dazu sagen, dass ich ein Jahr ehrenamtlich über das Bürgernetzwerk Bildung in einer Kita als Lesepatin gearbeitet hab, und „meine“ kleinen Mäuse „Der kleine Angsthase“ sowas von geliebt haben! Sie wollten die Geschichte immer und immer wieder vorgelesen bekommen.

Was ist das Besondere an deiner Arbeit, wenn Kinder das Publikum sind? Gibt es Unterschiede zur Arbeit mit Skripten für Erwachsene?


Ich war nach dem Studium an der „Schauspielschule Ernst-Busch“  sieben  Jahre am „Zentralen Kinder- und Jugend-Theater der DDR“ in Berlin  – es hieß damals noch „Theater der Freundschaft“). Mein Engagement dort ging bis 1992. Dann hab ich ganz viel gedreht, gearbeitet – und so „nebenbei“ meine beiden Kinder geboren und großgezogen.

Ja! Es gibt natürlich Unterschiede bei bzw. mit der Arbeit für Kinder oder Erwachsene. Ich hab da immer eine besondere Verantwortung gesehen. Wenn du ein Kind bei seinem ersten Theaterbesuch vergraulst, wird es NIE wieder Lust auf Kunst und Kultur haben! Mit meiner Einstellung bin ich leider an diesem Theater angeeckt. Aber ich wollte dort sowieso nicht alt werden.

Gern wird gesagt „Kinder sind ein kritisches Publikum“.  Ha! Was für ein Quatsch! Die sind einfach unverdorben und spüren, wenn du nicht mit deiner ganzen Seele fit bist und Emotionen bloß vorspielst. Dann kann es einem schon passieren, dass ein Saal von 500 Kindern explodiert. Und laut wird! Und dann höre ich noch meine Kollegen: „Ist ja ein Scheißpublikum heute!“… Ich bin gegen Wände gerannt und hab gekämpft.
Ich hab die Gerda in der „Die Schneekönigin“ bestimmt drei Jahre lang gespielt. Eine Rolle, die mir nicht so besonders viel abverlangt hat. Ich fand sie eher nur langweilig. (Arianne reißt die Augen auf und wedelt mit den Armen herum…) „Ooooh! Rumwundern! Wo ist mein Kai?“ Aber die Kinder haben mich zutiefst geliebt!
Lady Milford im Abendspielplan hat mich natürlich mehr herausgefordert. Dennoch: Spielen für Kinder – das macht großen Spaß!

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews mit mehr Infos über „Bibi und Tina“ oder „Titania Hörspiele“.

200 Jahre Märchen der Gebrüder Grimm

Von Benjamin Vahldiek

Märchenhafte Tage in Berlin für Jung und Alt!

Schon 200 Jahre sind sie alt, haben aber noch nichts eingebüßt von ihrer Faszination: die Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ von Jacob und Wilhelm Grimm.

Auch heute noch verspüren die Kleinsten ein angenehmes Gruseln, sobald die fiese Hexe aus „Hänsel und Gretel“ die weltbekannt Frage stellt: Knusper, knusper kneischen, wer knuspert an meinem Häuschen? Und aus allen Mündern gleichzeitig folgt die Antwort: Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!

Wenn es schneit, heißt es noch immer, dass Frau Holle fleißig ihre Betten schüttelt (bzw. schütteln lässt, die Dame hat ja Personal!) und in jedem Brunnen könnte ein verzauberter Frosch sitzen, der sich nach einem kräftigen Wurf an die Wand in einen wunderschönen (ledigen!) Prinzen verwandelt.

 

Rottkäppchen kommt aus Berlin

Vom 8. bis 25.11. finden unter diesem Motto in der Hauptstadt die 23. Berliner Märchentage statt.

Zahlreiche Promis lesen Märchen vor, es gibt Ausstellungen von Märchenbüchern und überall Aktionen zum Mitmachen und natürlich diverse märchenhafte Theateraufführungen. Mehr Infos und alle Termine gibt es auf der Website des Veranstalters.

Da gilt für die ganze Familie: Schnell auf nach Berlin, bevor es heißt „Es war einmal…“!

 

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von www.märchenland.de.

 

YPS-Heft 2012 oder Die Rückkehr der Urzeitkrebse

Solar-Zeppelin, Agentenlupe, U-Boot-Bausatz… und natürlich die legendären Urzeitkrebse.

Von Benjamin Vahldiek

Kinder der Generationen 1970 und 80, die das YPS-Heft nicht kennen, haben definitiv hinter dem Mond gelebt. Neben witzigen Comics mit Lucky Luke, Garfield, Asterix oder Piff und Herkules waren die „Gimmicks“ DAS Highlight und sorgten für Action und etliche Lacher auf dem Schulhof.

Beim gestrigen Großeinkauf für das Wochenende fällt mir im Zeitschriftenregal ein schwarzes Hochglanz-Cover auf – und ich traue meinen Augen nicht: „YPS Nr. 1258: Ausgabe 1/2012. Das Lifestyle-Magazin für Erwachsene“ vom Ehapa Verlag.

Oh man, nach so vielen Jahren Pause geht es weiter mit dem wohl durchgedrehtesteten aller Comics… ich fasse es nicht.

Aber was soll der Zusatz „Für Erwachsene“? Soll dies den Hammerpreis von 5,90 € rechtfertigen? Damals… ganz früher… als wir noch kleine Stöpsel waren, da hat YPS garantiert nicht knappe 12 DM gekostet!!!

Ach, was kostet die Welt, ick nehm die Hälfte. Es gibt immerhin einen so richtig guten Grund, tief ins Portemonnaie zu greifen und das Heft in den Einkaufswagen zu legen: Das Gimmick! Jawohl, es sind die URZEITKREBSE, sprich das Pulver, mit denen man lebende Tiere züchten kann! Wie ich gerade gelesen habe, liegt dieses Extra nun schon in der 22. (!) Auflage vor, aber egal. Kult bleibt Kult.

Ansonsten wechseln sich beim Relaunch des YPS-Magazins Licht und Schatten ab:

Bei 100 Seiten gibt es nur 25 mit Comics, der Rest sind Artikel, Interviews, Anzeigen mit Bezug auf die gute alte YPS-Zeit, allerdings auch mit schwankender Qualität.

Ok, ich warte mal ab, wie das zweite Heft wird und hole ansonsten die alten Ausgaben aus dem Keller. Was ich aber auf jeden Fall mache: zusammen mit meinem Kusin Paul eine Urzeitkrebse-Zucht eröffnen.

Update: 16. Oktober… Wahnsinn… mittlerweile ist das YPS-Heft AUSVERKAUFT!

Der Stammbaum der Familie von Schlotterstein: ein Gruß von Angela Sommer-Bodenburg an KidsDeal

von Benjamin Vahldiek

Dorothee von Seifenschwein-Schlotterstein… Sabine, die Durstige… Hildegard, die Schreckliche…

die Familie des Kleinen Vampirs besteht aus kuriosen Charakteren.

Beim Lesen des neuesten Romans von Angela Sommer-Bodenburg (Anna von Schlottersteins Nächtebuch) fiel mir jedoch etwas auf, das mir komisch vorkam…

So heißt es auf Seite 25, die gefräßige und mannstolle Tante Dorothee sei die Tochter von Ludwig, dem Fürcherlichen.

Moment mal… der gute Ludwig, das ist doch Annas Vater.

Und wenn Anna Dorothees Nichte ist, dann ist doch Annas Opa, nämlich Wilhelm, der Wüste, Dorothees Vater. Nicht Ludwig!!

Ich hab meine Verwirrung der Autorin mitgeteilt und eine sehr liebe Antwort erhalten:

 

Lieber Benjamin,

 nun muss ich Sie zum zweitenmal für Ihr genaues Lesen loben! Ja, Sie haben Recht, auf S. 25 ist es „Wilhelm“ und keinesfalls „Ludwig“!

(…)

Ich habe nun gleich an Rowohlt geschrieben und die werden es bei der 2. Auflage dann korrigieren. Aber durch einen solchen Fehler wird eine Auflage natürlich auch special …

(…)

Auf Ihrem Blog auf KidsDeal war ich auch. Er hat mir sehr gut gefallen. Großes Kompliment an Sie.

 

Danke, liebe Frau Sommer-Bodenburg! Und ich freue mich, eine Spezialausgabe von „Annas Nächtebuch“ zu besitzen 🙂

 

Für interessierte Eltern: Warum Kinder- und Jugendliteratur alles andere ist als Kinderkram

Von Benjamin Vahldiek

Lesen bildet!

Je eher und je mehr Kinder lesen, desto besser:

Das Lesen kurbelt die Fantasie an und lässt Fragen aufkommen. Es schult das Gespür für Sprache, Sätze, Wörter. Viele werten Kinder- und Jugendbücher jedoch noch immer ab. Dabei hat sie einen hohen wissenschaftlichen Stellenwert.

Für interessierte Eltern stelle ich heute einen Auszug meines Aufsatzes[1] zum Thema ein.

Familiäre Lebenswelten und Rollenzuordnungen in der Kinder- und Jugendliteratur – unter besonderer Berücksichtigung des Mädchenbuches. Zur Problematik eines uneinheitlich verwendeten Terminus.

Die Kinder- und Jugendliteratur, die ab dem 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewann, ist nach anfänglichen Akzeptanzschwierigkeiten auch in der Literaturwissenschaft ein anerkannter Gegenstand der Untersuchung geworden.[2] Dennoch liefert die umfangreiche Sekundärliteratur zum Thema bis dato eine Fülle uneinheitlicher Terminologien.[3] Hans-Heino Ewers bemüht sich in seinem Einführungswerk, Definitionen zu entwickeln und präzisieren.[4] Unverständlich ist allerdings, warum er gerade bei einer Einstiegsliteratur in grundlegende Aspekte zwar auf die Schwierigkeiten der Kategorisierung aufmerksam macht, jedoch nicht darauf eingeht, ob es sinnvoll ist zwischen Kinderliteratur und Jugendliteratur zu differenzieren. Auch bei Hannelore Daubert fallen in verschiedenen ihrer Aufsätze unterschiedliche Kategorisierungen und Bezeichnungen für dieselben besprochenen Romane auf und tragen zur Verunsicherung bei: So ist im Titel der Veröffentlichungen einmal von „Kinderliteratur“[5], ein anderes Mal vonSchülerromanen“[6] und schließlich vom „realistischen Kinder- und Jugendroman“[7] die Rede. Dies veranschaulicht deutlich, dass kinder- bzw. jugendliterarische Texte nicht fest zuzuordnen sind, denn verschiedene Definitionen erweisen sich als grundsätzlich zutreffend. Wenngleich zum Beispiel der von Daubert verwendete Begriff „Schülerroman“ unüblich ist, so erscheint er durchaus stimmig. Schließlich macht die Institution Schule mit Lehrern, Mitschülern und Leistungsdruck einen wesentlichen Teil der kindlich-jugendlichen Lebenswelt aus. Ein weiteres Beispiel ist Christine Nöstlingers Gretchen-SackmeierTrilogie, welche Thematiken des traditionellen und neuen Mädchenbuches sowie des Adoleszenzromans enthält.[8] Gleichzeitig ist sie jedoch unverkennbar tragikomische Familiengeschichte, Schülerroman und findet im dritten Band durch die Nebenfigur Ixi und die mit ihr verbundene Aidsproblematik[9] Anleihen an das problemorientierte Jugendbuch.[10] Erschwerend kommt hinzu, dass schon klassische Texte wie die Märchensammlung der Gebrüder Grimm gleichermaßen an Kinder und Jugendliche wie an deren Eltern adressiert waren.[11] Außerdem sind gerade im Bereich der fantastischen Literatur Romane in zielgruppengerechter Einbandgestaltung in der Kinder- und in der Erwachsenenbuchabteilung zu finden.[12] Die Grenzen sind also nicht klar zu setzten bzw. aufgehoben[13]: „Es geht einem mit der Kinder- und Jugendliteratur ebenso wie mit vielen anderen Phänomenen des kulturellen Lebens: Je intensiver man sich mit ihnen beschäftigt, umso mehr versagt jede Definition, so plausibel und brauchbar sie anfänglich auch gewesen sein mag […].“[14]

Daubert setzt sich noch damit auseinander, ab wann „ein Buch ein Kinderbuch, ab wann […] ein Jugendbuch“[15] ist, während Kaminski auf Sprachgebiete verweist, in denen sich diese Frage erübrigt: „Im deutschen Sprachraum existiert das Problem, daß wir gewöhnlich von Kinder- und Jugendliteratur reden, während die Engländer ‚children’s literature’ kennen und die Franzosen ebenfalls nur eine ‚littérature enfantine’, also Kinderliteratur. Sie decken mit diesen Termini ab, was die junge Generation liest, ehe sie Erwachsenenliteratur annimmt.“[16]

Das Kindesalter jedoch erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt. Es finden gravierende Entwicklungsschübe statt, auf die mit verschiedenen literarischen Angeboten für das Kind, wie zum Beispiel das Bilder- oder Erstleserbuch, reagiert wird. Deshalb erscheint der Begriff Jugendbuch bzw. –roman für einige Texte angebrachter[17]: Dann beispielsweise, wenn diese aufgrund ihrer Themen wie Elternkonflikte, erste Liebe und Schulprobleme, aber auch wegen ihrer Heldinnen im Übergang vom Kind zum Erwachsenen, Jugendliche, besonders Mädchen, ansprechen, die sich in der schwierigen und gefühlsambivalenten Pubertätsphase befinden. Sie vermögen durch die Lektüre von Büchern mit jenen Inhalten ihre Bedürfnisse nach Identifikation zu befriedigen.[18]

Familiäre Lebenswelten und Rollenzuordnungen in der Kinder- und Jugendliteratur – unter besonderer Berücksichtigung des Mädchenbuches.

Vor 1968

Hatte die Kinder- und Jugendliteratur bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts noch weitestgehend keine inhaltlichen oder thematischen Besonderheiten, so rückte ab der zweiten Hälfte die Familie ins Zentrum der Aufmerksamkeit und ist bis in die Gegenwart[19] ein wesentliches Thema geblieben.[20] Die Autoren bemerkten schnell, wie ihr angestrebter Anspruch, den jungen Rezipienten Tugenden und Verhaltensweisen zu vermitteln[21], besonders gut zu erreichen war. Zur Identifikation verwendeten sie (nahezu) Gleichaltrige als Buchhelden, die in einen dem Adressaten bekannten Lebensraum aufwuchsen. Daher mussten die Literaten ihre Belehrungsschriften zwangsläufig in die Rahmenhandlung „Familie“ einbetten[22]: Bürgerliche Kindheit und Jugend nämlich war im Prozess der „Verhäuslichung“[23], also der Verlagerung von kindlichen und jugendlichen Lebenswelten von der Straße in den familiären Raum, nichts anderes als Familienkindheit bzw. –jugend. Dichtung für Kinder- und Jugendliche konnte dadurch zwangsläufig nur Familiendichtung sein.[24] Erst nachdem Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts verstärkt Schulen und Internate besucht wurden, lösten die Schriftsteller sich davon, Handlungen lediglich in der Familie anzusiedeln[25]: „Die Familie erscheint mehr und mehr als etwas, von dem die Protagonisten sich absetzen […] wollen, […] gegen das sie womöglich rebellieren.“[26] So verwundert es nicht, dass gerade ursprünglich erwachsenliterarische Gattungen[27] wie der Entwicklungs-, Bildungs- und vor allem der Adoleszenzroman zur bevorzugten Lektüre von Kindern und besonders Jugendlichen gehörten. In jenen Texten nämlich ist genau dieser Ablösungsprozess zentrales Thema, während die Kinder- und Jugendliteratur zu dieser Zeit nahezu ausschließlich auch weiterhin lediglich ein idealisiertes Familienbild präsentiert. Gerade im Adoleszenzroman des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts[28] zeigen sich strenge autoritäre Familienstrukturen der „Befehlsfamilie“[29], unter denen der junge Held zu leiden hat[30]: Es ist „für den  Adoleszenzroman geradezu charakteristisch, daß er aufzeigt, wie die verschiedenen Instanzen der Gesellschaft – die Institution Familie, die Institution Schule, die Institution Kirche – durch die von ihnen auf je spezielle Weise ausgeübte Erziehungsdressur bei der Deformation und Zerrüttung junger Menschen Hand in Hand zusammenwirken. […] [Man könnte, B.V.] den Adoleszenzroman im frühen 20. Jahrhundert, thesenhaft pointiert, daher auch als ‚Familienroman’ charakterisieren, in dessen Zentrum nicht nur die äußerliche Ablösung vom Elternhaus, sondern auch die innere Befreiung aus der Vormundschaft der primären Erziehungsinstanzen […] stehen.“[31]

Auch wenn die Figur des Vaters bedingt durch die beiden Weltkriege in den Hintergrund trat, die Mutter die Rolle des Familienoberhaupts übernahm und einige Autoren Bilder von kindlich-jugendlicher Autonomie skizzierten[32], wurden die alten familiären Struktur in der Nachkriegsliteratur schnell wieder aufgebaut. Da aber viele Väter gefallen oder vermisst waren, spiegelte sich hier eher eine (zumeist weibliche) kompensatorische Wunschvorstellung nach einem Familienoberhaupt und der damit verbundenen Restauration der Familie wider – so zum Beispiel in Erich Kästners Das doppelte Lottchen von 1949.[33] Diese Erzählung gehört zu den ersten einer für die Kinder- und Jugendliteratur der 50er und vor allem der 60er Jahre (genauer: bis 1968) charakteristischen „Heilen-Welt-Literatur“[34]: Unter Berücksichtigung der zu Beginn des Jahrhunderts entwicklungspsychologischen und kunstdidaktischen Strömung, der Reformpädagogik, mit ihrer Wertschätzung des Kindes als individuelle Persönlichkeit, stellten Autoren wie Ottfried Preußler, Janosch oder die Schwedin Astrid Lindgren, Szenarien dar, in denen die Protagonisten unbeobachtet von Erwachsenen Erfahrungen sammeln und unbeschwert spielen konnten.[35] Freilich waren diese kindlichen Freiräume lediglich ein literarischer Entwurf, der nur teilweise mit der Realität übereinstimmte, da viele Literaten auf ihre eigenen Kindheitserinnerungen zurückgriffen.[36] Das geschaffene Familienbild dieser Schriftsteller ist gekennzeichnet durch traditionelle und strikt geordnete Rollenstrukturen.[37] Autoritäres Verhalten wird von den kindlichen Protagonisten nicht kritisiert, sondern hingenommen.[38] Trotzdem trägt die Kinder- und Jugendliteratur der 50er und 60er Jahre indirekt antipädagogische Züge durch die exotischen Spielwelten, die Ewers treffend als „pädagogisch ausgedünnte Zone“[39] beschreibt.

Das Mädchenbuch, das bereits in den Anfängen der Kinder- und Jugendliteratur vorzufinden war und sich im 19. Jahrhundert etablieren konnte, richtet sich an weibliche Adressaten zwischen dem neunten und sechzehnten Lebensjahr. Die Romane, die speziell pubertierende Leserinnen ansprechen sollen, tragen die Bezeichnung „Backfischliteratur“.[40] Zur besseren Identifikation ist die Hauptfigur  so gut wie immer ein junges Mädchen.[41] Nahezu ausschließlich liegt das mit dieser Literatur verfolgte Ziel darin, den Rezipientinnen durch zumeist wenig anspruchsvolle[42] unterhaltsame Texte ein Idealbild der gesitteten und tugendhaften, sich dem Mann[43] unterwerfenden, Frau zu vermitteln.[44] Dies geschieht, indem Ehe und Mutterschaft als das höchste und einzig wahre Glück propagiert werden. Um einen Gatten zu finden, muss die Protagonistin sich an Weiblichkeitsnormen anpassen.[45] Jedwedes nicht rollenkonforme Verhalten wird mit einer Negativerfahrung bestraft[46] oder durch Autoritätspersonen unterbunden. Es ist gerade der Vater, der seine Tochter streng erzieht, aber dabei äußerst positiv gezeichnet wird: Die Protagonistin liebt ihn innig.[47] Dies liegt unter anderem daran, dass er sich – im Gegensatz zur Rolle als Ehemann und männliches Vorbild für den eigenen Sohn – bei seiner Tochter kurze Phasen der Schwäche erlauben darf.[48] So ist die Beziehung zwischen ihm und seinem Mädchen durch ödipale Zärtlichkeitsmomente[49] einerseits und herrisches Durchgreifen[50] andererseits höchst ambivalent.

Ab 1968 bis Anfang der 80er Jahre

Während schon Feministinnen vor 1968 das Backfischbuch aufgrund seines Frauenbildes, das „kitschig-überhöht den tristen Alltag verschleiere“[51] beanstandeten, war zum Ende der 60er Jahre nicht nur die Mädchen-, sondern die allgemeine Kinder- und Jugendliteratur massiv der Kritik ausgesetzt. In der Forschung wird von einem gravierenden literarischen Paradigmenwechsel[52] gesprochen, der relativ genau datiert werden kann:

„Ab dem Herbst 1968 entsteht im Gefolge von Studentenrevolte und Kinderladenbewegung eine mit dem Etikett ‚antiautoritär’ versehene Buchgruppe, die als Protest gegen die als spießig betrachtete bürgerliche Gesellschaft und die dazugehörige konformistische Literatur figuriert und unter deren Sammelbegriff sowohl inhaltlich als auch formal ganz unterschiedliche Produkte firmieren.„[53]

Einhergehend mit der neuen Auffassung von Kindheit[54], in der das Kind nicht mehr als das dem Erwachsenen völlig gegensätzlichen Wesen zu verstehen war[55], vollzog sich der Wandel auch im Zuge der zweiten Frauenbewegung[56] zu Beginn der 70er Jahre. So wurde nicht nur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen eingefordert.[57] Das Ziel lautete Chancengleichheit. Unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Finanzlage sollten alle Bürger die selben Möglichkeiten auf Bildung und Karriere wahrnehmen können.[58] Ungeachtet des erst jungen Lebensalters sollten Kinder an der sozialen Wirklichkeit teilhaben. Der für obsolet erklärten autoritären Erziehung wurde die antipädagogische gegenübergestellt. Hier geht es primär darum, Heranwachsende in ihrer Entwicklung und ihrem Sammeln von Erfahrungen zu unterstützen[59], anstatt sie für ihr Verhalten zu maßregeln, da der noch nicht ausgereifte körperliche und geistige Zustand zu berücksichtigen sei. Prinzipiell könne das Kind für sich selbst entscheiden, was es machen möchte und dürfe nicht bevormundet werden.[60]

Autoren von Kinder- und Jugendbüchern der 50er und 60er Jahre gewährten ihren Protagonisten zwar genau diese Freiheiten in den Spielräumen fernab der Erwachsenenwelt, unterstellten sie aber innerhalb der familiären Sphäre dem befehlenden Familienoberhaupt. Die Buchhelden protestierten nicht gegen die Vorbereitung auf die Erwachsenenrolle und hielten sich zumeist auch sonst kritiklos an die Regeln ihrer Eltern[61]: „Das kindliche Leben war also geprägt von einer Spannung zwischen gewährten Freiräumen, ‚heilen Welt’ auf der einen, mehr oder weniger rigiden Anforderungsbereichen auf der anderen Seite – einer Spannung, die diese KL [= Kinderliteratur, B.V.] zum weitaus überwiegenden Teil herunterspielte.“[62]

Genau hier setzten die Autoren der antiautoritären Kinder- und Jugendliteratur wie Peter Härtling, Angelika Kutsch oder Christine Nöstlinger an: Als eine Art Anwalt[63] machten sie sich stark für die Gleichberechtigung ihrer jungen Leser[64] und wollten diesen aus dem Befehlshaushalt heraushelfen. Auch gesellschaftlich sollten sie als gleichberechtigte Partner anerkannt sein.[65] Freilich kam es gerade zu Beginn der neuen Literatur, in der die Aufbruchstimmung noch besonders euphorisch war, auch zu pädagogischen Fehlleistungen[66] oder Indoktrination politischer Überzeugungen.[67]

Im Zuge der „Politisierung der Jugendliteratur“[68] werteten die neuen Schriftsteller die vorangegangene Epoche radikal ab, indem sie die entworfenen literarischen Spielwelten als „Kindertümelei“[69] bezeichneten. Unter diesen Begriff fällt jegliches Bestreben, den jungen Lesern ein realistisches Bild von familialer Kindheit mit allen eventuellen Problemen und Defiziten vorzuenthalten.[70] Durch die Schaffung der Freiräume und der damit zusammenhängenden Verdrängung der reellen Lebensumstände zugunsten der Nostalgiebefriedigung der Autoren würden die kindlichen Adressaten nicht ernstgenommen.[71]

Im Sinne der Forderung nach Gleichberechtigung spielte sich die Handlung jetzt innerhalb der sozialen Wirklichkeit des Kindes, also im familiären Raum, ab, der nun zumeist nicht mehr der positiv besetzte Ort war. Der „Schonraum Familie“[72] mit seinen zwar autoritären, aber dennoch idealisierten und von den Kindern geliebten Elternfiguren, existierte in den neuen Veröffentlichungen so gut wie nicht mehr.[73] Ebendiese autoritären Strukturen wurden scharf kritisiert und nicht mehr verharmlost. Somit bildeten Generationskonflikte ein neues zentrales Sujet. Aufgrund der angestrebten Vergegenwärtigung der Realität, die dem jungen Leser auch negative und bedrohliche Inhalte nicht vorenthalten sollte[74], fand eine Durchbrechung bisher tabuisierter Themen statt: Erstmalig in der Kinder- und Jugendliteratur stand die Organisation Familie ernsthaft zur Disposition. Das Gleiche galt für die Institution Schule, die in vielen neuen Romanen als nicht mehr zeitgemäß dargestellt wurde.[75] Viele Schriftsteller der 70er Jahre entwarfen ein Bild des unharmonischen, schwierigen Zusammenlebens zwischen Eltern und Kindern.[76] Die Helden versuchten, sich ihre Autonomie zu erkämpfen und stießen auf verständnislose und zum Teil überforderte autoritäre Erwachsene.[77] Hier näherte sich die Kinder- und (hauptsächlich) Jugendliteratur dem Adoleszenzroman an, der somit auch für den deutschsprachigen jugendliterarischen Bereich entstand[78] und sich noch heute großer Beliebtheit erfreut.[79] Die Darstellung konfliktreicher familiärer Lebenswelten, in denen die jungen Protagonisten sich im großen Maße erwachsener gaben und nicht mehr kindlich-naiv und fröhlich gestaltet wurden wie in der vorangegangenen sentimentalen Epoche[80], führte weiterhin zu einer wesentlich komplexeren Zeichnung der (Haupt-)Figuren. In ihr spiegelte sich das Gefühl der Vereinsamung, der Überforderung mit einer Familiensituation – wie etwa permanentem Streit zwischen den Eltern – wider.[81] Während der Adressat bis 1968 oft durch einen Erzähler persönlich angesprochen und gelenkt wurde[82], ist die neue Kinder- und Jugendliteratur durch das präferierte Schreiben aus der Innenperspektive des Helden und bisher tabuisierte Themenkomplexe vielfach anspruchsvoller geworden.[83]

Der Begriff „neue“[84] bzw. „emanzipatorische[…] Mädchenliteratur“[85], bezieht sich auf Romane für Mädchen ab 1968. Vor allem in den 70er und frühen 80er Jahre wurde darin der gesellschaftlichen antipädagogisch-feministischen Forderung literarisch Ausdruck verliehen. Es ging somit nicht mehr um das Erlernen der weiblichen Rollenvorgabe, sondern die Identitätsfindung der Protagonistin und Konflikte in ihrem Umfeld standen im Vordergrund. Damit leisteten die (zumeist weiblichen) Autoren einen Beitrag zur Anerkennung der jungen Frau als gleichberechtigtes, individuelles Wesen, das sich obsoleten Weiblichkeitsvorstellungen nicht zu fügen brauchte. Die neue Mädchenfigur war nicht mehr zwangsläufig auf einen Partner fixiert. Sie interessierte sich für tagesaktuelle Geschehnisse und verfügte über ein kritisches Bewusstsein gegenüber ihren Eltern, der Schule, Gleichaltrigen und sich selbst.[86] Auch machte sie ihr Lebensglück nicht – wie in der Backfischliteratur – von einer Liebesheirat abhängig. Der Terminus „neues“ bzw. „emanzipatorisches“ Mädchenbuch ist insofern nicht mehr genau zutreffend, als die Grenzen nicht exakt zu ziehen sind. Anleihen an andere Gattungen, wie unter anderem dem jugendliterarischen Adoleszenzroman, stellen keine Seltenheit dar.[87] In der Forschung geht man der Frage nach, ob diese Bezeichnung überhaupt noch gerechtfertigt ist, da „damit eine Ideologie und narrative Struktur à la Backfischbuch assoziiert wird.“[88] Mit einem Blick auf die Gegenwart erscheint diese Diskussion jedoch als überholt. Dem rebellischen Gestus in den 70er Jahren ist ein Neuverständnis von Mädchen und junger Frau gewichen. So spielt heute die Betonung der Weiblichkeit eine wesentliche Rolle: „Als Mädchen hat man vielleicht bestimmte Probleme, aber man ist kein Problem  mehr.“[89]

Innerhalb der Mädchenliteratur stellen die Mädchenfiguren der Girls-Serien etwas Neues dar: Sie verkörpern einen […]  neuen Feminismus, der einer neuen Generation junger Frauen Rechnung trägt, die die Errungenschaften eines 70er und 80er Jahre Feminismus längst verinnerlicht haben und ihn deshalb nicht mehr offen vor sich her tragen müssen.[90]

 



[1] Vahldiek, Benjamin: Sozialstrukturen und Geschlechterrollen in der Kinder- und Jugendliteratur. Eine Analyse ausgewählter realistischer Jugendromane von Christine Nöstlinger. 2005

[2] Vgl. Lehnert, Gertrud: Phantastisches Erzählen seit den 1970er Jahren. Zu einem kinderliterarischen Paradigmenwechsel. In: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge 2, 1995 (b), S. 280.

[3] Vgl. Baumgärtner, Alfred C. und Oswald Watzke: Wege zum Kinder- und Jugendbuch. Ein Beitrag zur Buchpädagogik. Theoretische Überlegungen und praktische Beispiele für die Grundstufe und Sekundarstufe I, Donauwörth 1985, S. 5 und 9 sowie Bertschi-Kaufmann, Andrea: Lesen und Schreiben in der Medienumgebung: die literalen Aktivitäten von Primarschulkindern, Zürich 2000, S. 37.

[4] Vgl. Ewers, Hans-Heino: Literatur für Kinder und Jugendliche. Eine Einführung in grundlegende Aspekte des Handlungs- und Symbolsystems Kinder- und Jugendliteratur. Mit einer Auswahlbibliographie Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft, München 2000, S. 11.

[5] Daubert, Hannelore: Wandel familiärer Lebenswelten in der Kinderliteratur. In: Ebd. und Ewers, Hans-Heino (Hrsg.): Veränderte Kindheit in der aktuellen Kinderliteratur, Braunschweig 1995.

[6] Daubert, Hannelore: Von ‚jugendlichen’ Eltern und ‚erwachsenen’ Jugendlichen. Familienstrukturen und Geschlechterrollen in Schülerromanen der 80er und 90er Jahre. In: Ewers, Hans-Heino (Hrsg.): Jugendkultur im Adoleszenzroman. Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre zwischen Moderne und Postmoderne. 2. Auflage 1997, Weinheim/München 1997.

[7] Daubert, Hannelore: ‚Es verändert sich die Wirklichkeit…’. Themen und Tendenzen im realistischen Kinder- und Jugendroman der 90er Jahre. In: Raecke, Renate (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit Heike Gronemeier: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland, München 1999.

[8] Vgl. Kaulen, Heinrich: Vom bürgerlichen Elternhaus zur Patchwork-Familie. Familienbilder im Adoleszenzroman der Jahrhundertwende und der Gegenwart. In: Ewers, Hans-Heino und Inge Wild (Hrsg.): Familienszenen. Die Darstellung familialer Kindheit in der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim/München 1999 (b), S. 125.

[9] Hierbei handelt es sich um ein Thema, das in den 90er Jahren zu einem zentralen Gegenstand in der Kinder- und Jugendliteratur gemacht wurde (vgl. Daubert, Hannelore 1999, S. 96).

[10] Die Definition des problemorientierten Jugendbuchs folgt Lange, Günter: Erwachsen werden: jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht; Grundlagen – Didaktik – Unterrichtsmodelle, Hohengehren 2000, S. 4.

[11] Vgl. Ewers, Hans-Heino 2000, S. 123.

[12] Beispiele hierfür sind Michael Endes Die unendliche Geschichte und aktuell J.K. Rowlings Harry Potter-Bände.

[13] Vgl. Kaulen, Heinrich: Jugend- und Adoleszenzromane zwischen Moderne und Postmoderne. In: 1000 & 1 Buch. Das Magazin für Kinder- und Jugendliteratur Nr. 1/99, Wien 1999 (a), S. 4 und 6. Vgl. weiterhin Dahrendorf, Malte: Verschiedene Wahrheiten für Kinder und Erwachsene? Perspektiven und Beispiele. Untersuchungen an ausgewählten Prosatexten von Peter Härtling, Günter Herburger und Christine Nöstlinger. In: Kinderwelten. Kinder und Kindheit in der neueren Literatur. Festschrift für Klaus Doderer, Weinheim/Basel 1985, S. 21 und 27.

[14] Ewers, Hans-Heino 2000, S. 15.

[15] Daubert, Hannelore 1999, S. 89.

[16] Kaminski, Winfred: Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur: literarische Phantasie und gesellschaftliche Wirklichkeit, Weinheim/München 1987, S. 84. Allerdings ist anzumerken, dass seit einiger Zeit in England die Abteilung ‚young adult’ existiert. Dies ändert jedoch nichts an der Problematik der Zuordnung von bestimmten Romanen.

[17] Unter den gewählten Oberbegriff „Jugendroman“  fällt auch die Mädchenliteratur, die „heute gängigerweise intentional bestimmt [wird, B.V.] als Literatur, die für Mädchen bestimmt ist. In diesem Sinne ist der  Begriff in keiner Weise festgelegt auf die Fortschreibung eines bestimmten Mädchenbildes oder einer bestimmten Erzählstruktur oder Textsorte.“ (Grenz, Dagmar: Zeitgenössische Mädchenliteratur – Tradition oder Neubeginn? In: Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht (vormals: Linguistik und Didaktik.) Nr. 62/1988, Paderborn 1988, S. 17.)

[18] Vgl. Lange, Günter 2000, S. 30.

[19] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 15.

[20] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 9.

[21] Vgl. Kaulen, Heinrich 1999 (a), S. 6.

[22] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 9 und 11f. Vgl. weiterhin Ewers, Hans-Heino: Veränderte kindliche Lebenswelten im Spiegel der Kinderliteratur der Gegenwart. In: Daubert, Hannelore und ebd. (Hrsg.): Veränderte Kindheit in der aktuellen Kinderliteratur, Braunschweig 1995 (a), S. 35f.

[23] Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 10.

[24] Eine Ausnahme bildet jene Literatur seit dem späten 18. Jahrhundert, welche die Kindheit als einen aus dem Binnenraum Familie abgelösten Freiraum ansiedelt, so zum Beispiel die Unglücks- oder Ausreißergeschichte (vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S.12f.).

[25] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 11f. Daneben gab es aber auch einige Schriftsteller, welche die Familie nicht für die Weitergabe von Moralvorstellungen (aus)nutzten, sondern direkt Kindheits-, Jugend- und Familiengeschichten verfassten und damit auf die Bedürfnisse der Leser eingingen (vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 11).

[26] Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 12.

[27] Mit „Gattungen“ sind hier nicht die Urformen Epik, Lyrik und Dramatik gemeint, sondern bestimmte Gruppen innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur, wobei viele Texte freilich mehrerer dieser Gruppen zugeordnet werden können (vgl. das Beispiel zur Gretchen-Trilogie in Kapitel 2 dieser Arbeit).

[28] Man beachte, dass bereits Goethes Die Leiden des jungen Werthers von 1974 und Moritz’ Anton Reiser (1785 – 1790) in der Forschung als Adoleszenzromane bezeichnet werden (vgl. unter anderem Kaulen, Heinrich 1999 (a), S. 7).

[29] Kaulen, Heinrich 1999 (b), S. 114.

[30] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 13 ff. Besonders im Expressionismus entwickelt sich „die Adoleszenzproblematik […] zum epochenspezifischen familiären Beziehungsdrama.“ (Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 15).

[31] Kaulen, Heinrich 1999 (b), S. 113.

[32] Zum Beispiel Wolf Durian mit seinem Roman Kai aus der Kiste von 1929.

[33] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 16ff.

[34] Vgl. Störiko-Blume, Ulrich: Erlaubt ist, was gefällt? Kinder- und Jugendliteratur im Verlag. In: Raecke, Renate (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit Heike Gronemeier: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland, München 1999, S. 33.

[35] Vgl. Steffens, Wilhelm: Familie, wie sie im (Kinder-)Buche steht. Familienszenen in aktuellen Kinderromanen. In: Ewers, Hans-Heino und Inge Wild (Hrsg.): Familienszenen. Die Darstellung familialer Kindheit in der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim/München 1999, S. 152.

[36] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (a), S. 37.

[37] Vgl. Steffens, Wilhelm 1999, S. 153.

[38] Dadurch sind die Helden aber auch von Eigenverantwortung entlastet – ganz im Gegenteil zu Protagonisten der antipädagogischen Literatur ab 1968, die sich gegenüber Fremdbestimmtheit auflehnen und sich dadurch ggf. negative Konsequenzen selbst zuzuschreiben haben (vgl. Ewers, Hans-Heino: Themen-, Formen- und Funktionswandel der westdeutschen Kinderliteratur seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. In: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge 2, 1995 (b), S. 263).

[39] Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 260.

[40] Vgl. Wilkending, Gisela: Mädchenliteratur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. In: Wild, Reiner (Hrsg.) unter Mitarbeit von Otto Brunken: Geschichte der deutschen Kinder– und Jugendliteratur, Stuttgart 1990, S. 220.

[41] Vgl. Maier, Karl Ernst: Jugendliteratur: Formen, Inhalte, pädagogische Bedeutung. 10. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bad Heilbronn 1993, S. 147.

[42] Vgl. Maier, Karl Ernst 1993, S. 150.

[43] Damit ist zuerst der Vater, später der Ehemann gemeint.

[44] Vgl. Wild, Inge: Wie Väter lernen zu ‚Muttern’. Aktueller Wandel von Familien- und Geschlechterrollen am Beispiel von Kirsten Boies ‚Mit Jakob wurde alles anders’. In: Ewers, Hans-Heino und Inge Wild (Hrsg.): Familienszenen. Die Darstellung familialer Kindheit in der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim/München 1999, S. 141.

[45] Vgl. Daubert, Hannelore: Die ‚neuen’ Mädchen – Eine kritische Bestandsaufnahme. In: Informationen des Arbeitskreises für Jugendliteratur Nr. 4/1985, 11. Jahrgang, München 1985, S. 46f.

[46] Vgl. Wild, Inge: Zum Wandel kultureller und jugendliterarischer Bilder weiblicher Adoleszenz. Mit einer Analyse von Inger Edelfeldts Kamalas Buch. In: Kinder- und Jugendliteraturforschung 1995/96,  Stuttgart/Weimar 1996, S. 80.

[47] Vgl. Ewers, Hans-Heino: Das Bild des Vaters im Mädchenbuch oder: Der präparierte Familienvater: In: Fundevogel. Kritisches Kinder-Medien-Magazin Nr. 61, April 1989, Middelhauve 1989, S. 12.

[48] Vgl. Wilkending, Gisela 1990, S. 243.

[49] Vgl. ebd.

[50] Vgl. Wild, Inge 1996, S. 79.

[51] Lehnert, Gertrud: Mädchenliteraturforschung. In: Kinder- und Jugendliteraturforschung 1994/95. Mit einer Gesamtbibliographie der Veröffentlichungen des Jahres 1994,  Stuttgart/Weimar 1995 (a), S. 112.

[52] Vgl. Wild, Inge: Kindsein heute – zwischen Lachen und Weinen. Renaissance kinderliterarischer Komik. In: Daubert, Hannelore und Ewers, Hans-Heino (Hrsg.): Veränderte Kindheit in der aktuellen Kinderliteratur, Braunschweig 1995, S. 82.

[53] Leutheuser, Karsten: Freie, geführte und verführte Jugend: politisch motivierte Jugendliteratur in Deutschland 1919 – 1989 (= Literatur- und Medienwissenschaften, Bd. 45), Paderborn 1995, S. 190.

[54] Vgl. Ewers, Hans-Heino: Kinderliterarische Erzählformen im Modernisierungsprozeß. Überlegungen zum Formwandel westdeutscher epischer Kinderliteratur. In: Lange, Günter und Wilhelm Steffens (Hrsg.): Moderne Formen des Erzählens in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart unter literarischen und didaktischen Aspekten (= Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V., Bd. 15), Würzburg 1995 (c) S. 17.

[55] Vgl. Lehnert, Gertrud 1995 (b), S. 282.

[56] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 261 und Lehnert, Gertrud 1995 (a), S. 113.

[57] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 261.

[58] Vgl. Scheiner, Peter: Realistische Kinder- und Jugendliteratur. In: Haas, Gerhard (Hrsg.): Kinder- und Jugendliteratur. Ein Handbuch, Stuttgart 1984, S. 41.

[59] Vgl. Nett, Carola: Eine Antipädagogin war sie eigentlich schon immer. Christine Nöstlinger und ihre Beziehung zur Antipädagogik. In: Informationen Jugendliteratur und Medien, vorm. Jugendschriften-Warte, 44. Jahrgang (Neue Folge), Nr. 1/1992, Weinheim 1992, S. 2.

[60] Vgl. Winkler, Michael: Antipädagogik. In: Heim, Helmut, Guido Pollak und Gerd Reinhold (Hrsg.): Pädagogik-Lexikon, München (u.a.) 1999, S. 29.

[61] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 261.

[62] Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 261f. Vgl. weiterhin Scheiner, Peter 1984, S. 41.

[63] Vgl. Ewers, Hans-Heino 2000, 167.

[64] Vgl. Haas, Gerhard: Modernen Inhalte und Formen des Erzählens in der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur. Heinrich Pleticha zum 70. Geburtstag. In: Lange, Günter und Wilhelm Steffens (Hrsg.): Moderne Formen des Erzählens in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart unter literarischen und didaktischen Aspekten (= Schriftenreihe der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V., Bd. 15), Würzburg 1995, S. 70f.

[65] Vgl. Doderer, Klaus: Literarische Jugendliteratur: kulturelle und gesellschaftliche Aspekte der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland, Weinheim/München 1992, S. 57.

[66] Vgl. Kliewer, Heinz-Jürgen: Die siebziger Jahre. In: Wild, Reiner (Hrsg.) unter Mitarbeit von Otto Brunken: Geschichte der deutschen Kinder– und Jugendliteratur, Stuttgart 1990, S. 332.

[67] Vgl. Steffens, Wilhelm 1999, S. 155 sowie Hurrelmann, Bettina: Aktuelle Kinder- und Jugendliteratur. In: Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht Nr. 111, 19. Jahrgang,  Seelze 1992, S. 11.

[68] Baumgärtner, Alfred C. und Oswald Watzke 1985, S. 21.

[69] Ewers, Hans-Heino 1995 (a), S. 39.

[70] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 264.

[71] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (c), S. 18.

[72] Bockhorst, Hildegard: Zauberwort ‚Zielgruppe’: KJL – für wen? Kinder und Jugendliche am Ende des 20. Jahrhunderts. In: Raecke, Renate (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit Heike Gronemeier: Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland, München 1999, S. 14.

[73] Vgl. Geitner, Erwin: Die Darstellung der Familie in Kinder- und Jugendbüchern heute: eine Auswahl unter literaturdidaktischen Gesichtspunkten (= Gesellschaft, Erziehung und Bildung Bd. 55), Rheinfelden (u.a.) 1996, S. 149.

[74] Vgl. Daubert, Hannelore 1999, S. 92. Vgl. weiterhin Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 271: „Mit unerbittlicher Strenge sucht diese KL [= Kinderliteratur, B.V.] die Imagination ihrer Leser auf die realen Verhältnisse zu lenken. Ihren kindlichen Helden schneidet sie alle Fluchtwege ab, versperrt ihnen die Rückzugsorte und Verstecke, macht sie restlos und unausweichlich zu Bewohnern der sozialen Wirklichkeit. Sie erweist sich darin als eine Literatur der Ernüchterung und des Daseinsernstes.“

[75] Vgl. Ewers, Hans-Heino und Inge Wild 1999, S. 19.

[76] Vgl. Daubert, Hannelore 1997, S. 46.

[77] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 262.

[78] Vgl. Lange, Günter 2000, S. 11. In den USA konnte sich der jugendliterarische Adoleszenzroman schon früher etablieren (vgl. ebd.).

[79] Vgl. hierzu besonders das Kapitel von Kaulen zum postmodernen Adoleszenzroman (Kaulen, Heinrich 1999 (a), S. 9 – 11).

[80] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (c), S. 17.

[81] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (a), S. 41.

[82] Vgl. zum Beispiel die direkte Leseransprache durch den Erzähler in Astrid Lindgrens Michel-Büchern: „Du weißt wohl nicht, was das ist, ein Gemeindepräsident, aber es ist etwas sehr Feines, das kann ich versichern […].“ (Lindgren, Astrid: Michel in der Suppenschüssel. (Aus dem Schwedischen von Karl Kurt Peters.) In: Ebd.: Immer dieser Michel, Hamburg 1972 (Titel der Originalausgabe: Emil i Lönneberga, Stockholm 1963), S. 10.)

[83] Vgl. Ewers, Hans-Heino 1995 (b), S. 267.

[84] Wittek, Andrea: Das ‚Neue’ Mädchenbuch. Eine Analyse der deutschsprachigen Produktion von 1980 – 85 anhand ausgewählter Beispiele. In: Kaegbein, Paul (u.a.) (Hrsg.): Bibliothek Forschung und Praxis, 1/1988, 12. Jahrgang, München 1988, S. 181.

[85] Lehnert, Gertrud 1995 (a), S. 113.

[86] Vgl. Wittek, Andrea 1988, S. 183.

[87] Vgl. Daubert, Hannelore  1985, S. 46.

[88] Lehnert, Gertrud 1995 (a), S. 114.

[89] Mentzel, Stefanie: Girlies packen aus! Ein neuer Boom von Mädchenbuchserien. In: Ewers, Hans-Heino (Hrsg.) unter Mitarbeit von Andrea Weinmann: Lesen zwischen neuen Medien und Popkultur: Kinder- und Jugendliteratur im Zeitalter multimedialen Entertainments, Weinheim/München 2002,  S. 187.

[90] Mentzel, Stefanie 2002,  S. 196.

Anna von Schlottersteins Nächtebuch: Angela Sommer-Bodenburgs neuester Vampir-Streich. Kidsdeal im Exklusiv-Interview mit der Autorin

Vampire versprechen viel, wenn die Nacht lang ist.

(Annas Nächtebuch, S. 148)

Von Benjamin Vahldiek

Sie studierte Pädagogik, Psychologie sowie Soziologie und arbeitete 12 Jahre lang als Grundschullehrerin in Hamburg. Weltweit bekannt wurde sie jedoch mit ihren Geschichten vom Kleinen Vampir: Angela Sommer-Bodenburgs liebenswerter Blutsauger Rüdiger von Schlotterstein begeisterte von 1979 bis 2008 in 20 Büchern Jung und Alt gleichermaßen. Die Abenteuer wurden zweimal für das Fernsehen und einmal für die Kinoleinwand verfilmt, in über 30 Sprachen übersetzt sowie als Musical, Tanz- und Marionettenstück auf die Bühne gebracht.

Wir Vampire haben Gefühle und Ängste und Wünsche und Träume, genau wie die Menschen.

(Annas Nächtebuch, S. 90)

Sehnsüchtig warteten alle Fans schon auf Sommer-Bodenburgs nächsten Vampir-Streich: das seit einigen Jahren angekündigte Nächtebuch Anna von Schlottersteins, Rüdigers kleiner Schwester. Anfang Oktober 2012 ist es endlich erschienen: in einer wunderschönen blutrot-schwarzen Bindung und mit vielen liebevollen Zeichnungen der Stamm-Illustratorin Amelie Glienke.

Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich schon einmal sagen: Das Buch ist wirklich ein absolutes Highlight. Ich konnte nicht eher aufhören zu lesen, bis ich auf der letzten Seite angekommen war. Es ist einfach nur rührend, wie die Autorin die kindlich-romantische Gefühlswelt der jüngeren Schwester des kleinen Vampirs beschreibt.

Aber am besten, ich lasse Angela Sommer-Bodenburg selbst zu Wort kommen. Denn sie stand mir freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung. 

 

Interview mit Angela Sommer-Bodenburg

Wie lange spukt Ihnen die Idee zum Buch schon im Kopf herum und wann haben Sie sich ans Schreiben gemacht?

Die Idee zu Annas Nächtebuch ist nicht ganz so alt wie meine Vampire. Aber sie hat mich doch eine lange Zeit beschäftigt.

Was ist das Besondere am Nächtebuch? Worin unterscheidet es sich von den Abenteuern des Kleinen Vampirs?

Die Bücher vom Kleinen Vampir habe ich aus Antons – also der menschlichen – Perspektive heraus geschrieben. Die Leser erleben die Abenteuer des Kleinen Vampirs aus der Sicht von Anton und lernen die Welt der Vampire nur insoweit kennen, als auch Anton sie kennenlernt.

Das Nächtebuch dagegen habe ich aus der Sicht der Vampire geschrieben – und zwar aus der Sicht von  Anna von Schlotterstein. Wenn Anna in der GruftSchlotterstein in ihrem Sarg sitzt, vertraut sie dem Nächtebuch ihre allergeheimsten Gedanken an. Dies sind Erinnerungen an ihre Kindheit auf Burg Schlotterstein, als sie noch ein Mensch war, an ihre Vampirwerdung, an die Flucht der Familie von Schlotterstein aus Transsylvanien, an Tante Dorothee und ihre verschiedenen Ehemänner, an Lumpis Vampirfreunde … und vieles mehr. Auch das Kennenlernen von Anton schildert Anna aus ihrer ganz persönlichen Sicht.

Weshalb haben Sie sich diese Form der “Wiederbelebung” des Kleinen Vampirs ausgesucht? Sind die Vampir-Geschichten definitiv zu Ende?

Ich habe mir “Anna von Schlottersteins Nächtebuch” nicht als Form der “Wiederbelebung” des Kleinen Vampirs überlegt. Die Bücher vom Kleinen Vampir werden seit 1979 weltweit – und inzwischen auch als eBooks – gelesen. Es gibt zahlreiche Umsetzungen der Bücher für Film, Fernsehen und Theaterbühnen.Mein Kleiner Vampir ist “lebendiger” als je zuvor und ganz bestimmt kein Kandidat für eine „Wiederbelebung“. Aber die 20-bändige Buchserie “Der kleine Vampir” ist für mich mit der Geschichte um die „Letzte Verwandlung“ abgeschlossen.

Ich habe Anna immer als melancholisch-verträumte heimliche Heldin in den Kleinen-Vampir-Büchern gesehen. Welche Beziehung haben Sie zu “Ihrer” Anna. Wie sehen Sie sie?

Anna war nie meine „heimliche Heldin“. Aber sie war und ist meine Lieblingsfigur! Sie ist einerseits ein junges Mädchen mit ihren Wünschen und Träumen – neugierig und begeisterungsfähig, aber auch schnell verletzt und manchmal überempfindlich. Vom Alter her besitzt sie andererseits auch die Erfahrung und das Wissen einer erwachsenen Frau. Anna personifiziert für mich Intelligenz, Toleranz, Gewaltfreiheit, Gleichberechtigung und den Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen . Ja, Anna ist von all meinen Vampircharakteren die mutigste. Auch aus diesem Grund hat Elisabeth die Naschhafte Anna zu ihrer Nachfolgerin erkoren. (Nachzulesen in Band 20, Anm. B. Vahldiek)

Und wenn es der Erfolg von Annas erstem Nächtebuch rechtfertigt, werde ich eventuell in einem zweiten Nächtebuch erzählen, wie Anna als Nachfolgerin von Elisabeth der Naschhaften  ihre neue Aufgabe bewältigt. Das zweite Nächtebuch würde dann in der Zeit angesiedelt sein, die nach der “Letzten Verwandlung” liegt.

Gab es besondere Ereignisse / Schwierigkeiten / Blockaden bei der Arbeit am Nächtebuch?

Indem ich aus Annas Perspektive zu schreiben begonnen hatte, glaubte ich, im Erzählen richtig “frei” zu sein. Dem war aber ganz und gar nicht so! Je länger ich Anna in ihr Nächtebuch schreiben ließ, desto mehr entdeckte ich, dass ich (oder besser gesagt Anna) die vielen Abenteuer der zwanzig vorhergehenden Bände nicht einfach ignorieren und völlig neue Abenteuer dazuerfinden konnte. Wenn Anna zum Beispiel einen weiteren menschlichen Freund gehabt hätte, dann hätte Rüdiger auf jeden Fall Anton davon berichtet und seine Witze gemacht. Und so musste ich “Anna von Schlottersteins Nächtebuch” auch sehr viel mehr überarbeiten als die Bücher vom Kleinen Vampir. Aber es hat mir viel Spass gemacht, Anna in ihrem Nächtebuch “lebendig” werden zu lassen!

Ist schon etwas Neues geplant? Worauf dürfen wir uns demnächst freuen?

Zur Zeit schreibe ich an einem Buch, in dem der Vollmond eine Rolle spielt… Und im Kinder- und Jugendprogramm November 2013 bis April 2014 des Rowohlt Verlags wird ein neues Buch von mir erscheinen. Wolf-Dietrich Sprenger und ich werden bis dahin auch ein drittes Theaterstück vom Kleinen Vampir geschrieben haben.

Vielen Dank, liebe Angela Sommer-Bodenburg, für das Interview!

Oktober 2012

(Cover und Foto der Autorin mit freundlicher Genehmigung von www.rowohlt.de.)

McDonald’s Spar-Coupons, gültig bis 28. Oktober 2012

Von Benjamin Vahldiek

Von McDonald’s halten kann man, was man will, ich möchte hier auch keine neue Diskussion vom Zaun brechen… in jedem Fall gibt es wieder neue Rabatt-Coupons mit Ermäßigungen von bis zu 50 Prozent auf Chicken McNuggets, McChicken, Big Mac, Hamburger… und natürlich auf das Happy Meal.

Bei Letzterem ist jetzt immerhin der Irrsinn vorbei, ein Buch, z.B. von den Drei Fragezeichen Kids, als Gimmick beizulegen und mit dem Argument Leseförderung pseudopädagogisch herumzutönen. Stattdessen gibt es wieder konsequent Plastik-Trash in Form von Aufziehtieren aus dem neuen Kinohit Madagascar 3: Flucht durch Europa. Hier ein Foto der Nilpferd-Dame Gloria.

Das Nilpferd Gloria

Aber eine Frage geht mir nicht aus dem Kopf:

Wann gibt’s eigentlich mal Rabatt auf den Gartensalat?

 

Der Kleine Vampir: Kidsdeal im Interview mit Angela Sommer-Bodenburg

Es wird spannend…

Von Benjamin Vahldiek

Angela Sommer-Bodenburgs Kleiner Vampir Rüdiger von Schlotterstein begeistert seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Die Abenteuer wurden in 34 Sprachen übersetzt, zweimal für das Fernsehen verfilmt und 2000 sogar für das Kino in einer internationalen Großproduktion umgesetzt.

Pünktlich zu Halloween erscheint nun Anna von Schlottersteins Nächtebuch, in dem erstmals Rüdigers kleine Schwester die Hauptrolle spielt.

Ich freue mich sehr, dass die Autorin Frau Sommer-Bodenburg sich bereit erklärt hat, mir einige Fragen zum neuesten Streich aus der Vampir-Welt zu beantworten. Das Interview inkl. Buchbesprechung wird hier natürlich so schnell wie möglich veröffentlicht. Bis dahin bleibt es spannend.

Annas Nächtebuch ist seit heute überall erhältlich.

Update: Das Interview ist nun hier zu finden!

Cover und Foto der Autorin mit freundlicher Genehmigung von www.rowohlt.de

Retro-Ecke: Max Kruses Kinderbuch-Klassiker Teil 2 – „Das Urmel“

Weiter geht’s mit dem zweiten großen Helden des berühmten Kinderbuch-Autoren Max Kruse:

Es ist klein, grün, sieht aus wie eine Mischung aus Nilpferd und Dinosaurier. Es ist aus einem Ei geschlüpft, das Tausende von Jahren im Inneren einer Eisscholle auf dem Meer trieb und von eigenartigen sprechenden Tieren, wie zum Beispiel einem Pinguin mit sch-Fehler, ausgebrütet wurde.

Klaro, die Rede ist vom Urmel, das spätestens seit der Fernsehversion der Augsburger Puppenkiste einen echten Kultstatus erreicht hat.

 

Dass das freche Wesen jedoch weitaus mehr Abenteuer erlebt hat, als die vom berühmten Marionettentheater gezeigten, ist längst nicht jedem bekannt.

Aber ich kenne sie alle! Denn ich habe sie letztes Jahr im Sommer durch ebay und Co. zusammen gesammelt und die durch Erich Hölle herrlich illustrierten Geschichten dann Abend für Abend auf dem Balkon verschlungen.

Kein Witz, manchmal hab ich sogar noch einige Minuten mit Taschenlampe weitergelesen, weil es schon dunkel war, ich aber unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Und meine Nachbarin hat sich sicherlich auch gewundert, warum ich ständig vor mich hinkichere, wo ich doch weder mit jemanden spreche noch der Fernseher läuft. Kruses fabelhaften Humor, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, sei Dank.

 

Tief im Vulkan, über den Wolken und sogar im All – die Urmel-Bücher im Überblick:

 

Urmel aus dem Eis

Die wohl bekannteste Geschichte handelt von Professor Habakuks Gründung der Tiersprachschule auf der Insel Titiwu und der Geburt des frechen Urmels. Die Vorstellung der Helden, die uns noch viele Bücher lang begleiten werden, ist kurzweilig und sehr amüsant. Seien es der freche Waran Wawa oder das gestrenge Hausschwein Wutz – gelacht werden kann über jeden!

5 von 5 Sternen

 

Urmel fliegt ins All

Jetzt, wo die Figuren vorgestellt wurden, hatte ich eigentlich einige Erlebnisse auf der Insel erwartet, jedoch verschlägt es unsere Gemeinschaft auf den fremden Planeten Futura. Hier setzt Kruse mit seinen verrückten Einfällen noch einmal einen drauf, wenngleich die Vorstellung von der Zukunft zu Beginn der 70-Jahre heute eher unfreiwillige Komik birgt.

4 von 5 Sternen

 

Urmel taucht ins Meer

Urmel geht auf gefährliche Tauchfahrt, um den Geheimnissen der Seeungeheuer auf die Schliche zu kommen. Diese Roman ist eines meiner liebsten Abenteuer, da Kruse hier besonders geschickt Sprachkomik mit einer spannenden Handlung verküpft.

5 von 5 Sternen

 

Urmel spielt im Schloss

Mit Professor Zwengelmanns Nichte, der Reporterin Naftaline, führt Kruse eine liebenswerte, für die spätere Handlung wichtige, neue Figur ein. Unheimlich witzig, wie das Urmel sich in König Pumpunels Schloss vor der jungen Journalistin versteckt und dort nur Blödsinn anstellt.

5 von 5 Sternen

 

Urmel zieht zum Pol

Professor Tibatong macht sich mit seinen tierischen Freunden auf Expedition zum Nordpol, um einen geheimnisvollen Meteoriten zu finden. Es ist einfach nur wunderbar, welche Stimmung Kruse durch seine detaillierte Beschreibung der eisigen Welt erzeugt. Trotz Hochsommer habe ich beim Lesen schon fast mit Urmel und Co mitgefroren und konnte das Buch nicht eher aus der Hand legen, bis die große, aufregende Reise vorbei war. Positiver Nebeneffekt: Kinder (sicherlich auch einige Erwachsene) lernen viel über die Lebensweise arktischen Völker.

5 von 5 Sternen

 

Urmel im Vulkan

Besonders zu Beginn ist es einfach nur rührend, wie sich Schweinedame Wutz emanzipieren will und Staubwedel gegen Schreibmaschine austauscht, um eine Geschichte von Urmels Abenteuer im Feuerberg auf Papier zu bringen. Der gewöhnungsbedürftige literarische „Wutz“-Stil wird jedoch im gesamten Buch beibehalten, so dass ich mich beim Lesen an einigen Stellen doch etwas gequält habe. Einer der schwächeren Bände.

3 von 5 Sternen

 

Urmels toller Traum

Herrlich abgedreht, was sich das Urmel alles zusammenträumt. Herr Kruse, so etwas kann man sich eigentlich nur im Vollrausch einfallen lassen. Highlight: das Volk der Schweine. Ganz großes Kino, wennglich durch die vielen verrückten Beschreibungen die Handlung etwas auf der Strecke bleibt.

4 von 5 Sternen

 

Urmels großer Flug

„Urmeli“ wird flügge und verlässt die klammheimlich seine Insel. Sehr kurzweilig zu lesen, was er Tolles auf seiner großen Reise durch die Welt erlebt und wie er schließlich wieder heil im Schoß seiner Freunde ankommt. Besonders der Stierkampf, bei dem die arme Wutz ganz schön aus der Puste kommt,  sorgte bei mir für viele Lacher und gefällt garantiert auch Kindern besonders gut.

5 von 5 Sternen

 

Urmel wird ein Star

Der ursprünglich letzte Teil der Serie bietet noch einmal alles, was man in den vorherigen Folgen liebgewonnen hat: Komik, schräge Charaktere, Sprachspiele und verrückte Geschehnisse. Besonders das Finale überzeugt, denn mit Titiwu geschieht etwas ganz Fantastisches, was ich hier natürlich nicht verrate. Ein gelungener Abschluss!

5 von 5 Sternen

 

Urmels Lichterbaum im Eismeer

Nach 30-jähriger Pause setzt Kruse die Urmel-Reihe fort – leider nur sehr mäßig. Die Geschichte wirkt wie ein müder Aufguss von „Urmel zieht zum Pol“ und hört zudem mittendrin auf, als hätte man vergessen, das letzte Drittel zu veröffentlichen. Das riecht für mich verdächtig nach „Abgabetermin einhalten, Herr Kruse, egal, ob sie nun fertig sind oder nicht!“. Das Buch sollte man wirklich nur lesen, wenn man selbst oder die eigenen Kinder nicht genug vom Urmel bekommen. Immerhin: Roman Langs Zeichnungen im Stil des verstorbenen Illustrators Erich Hölle sind sehr schön gelungen!

2 von 5 Sternen

 

Urmel fährt Ballon

Ein Ausflug zum Planeten Igeste? Oh je, das klingt nach einem weiteren Aufguss, dieses Mal von „Urmel fliegt ins All“. Zum Glück war meine Skepsis unbegründet und der Autor hat hier seine alte Form wiedergefunden. Die Rokoko-Lebensweise der Igeste-Bewohner sorgt für herrlich-ulkige Momente!

4 von 5 Sternen

 

  • Urmel aus dem Eis. Thienemann, Stuttgart 1995 (1969), ISBN 3-522-16902-6
  • Urmel fliegt ins All. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16903-4
  • Urmel taucht ins Meer. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16905-0
  • Urmel spielt im Schloss. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16906-9
  • Urmel zieht zum Pol. Thienemann, Stuttgart (1972), ISBN 3-522-16907-7
  • Urmel im Vulkan. Thienemann, Stuttgart 1995 (1973), ISBN 3-522-16908-5
  • Urmels toller Traum. Thienemann, Stuttgart 1996 (1974), ISBN 3-522-16909-3
  • Urmels großer Flug. Thienemann, Stuttgart 1996 (1974), ISBN 3-522-16904-2
  • Urmel wird ein Star. Thienemann, Stuttgart 1996 (1975), ISBN 3-522-16910-7
  • Urmels Lichterbaum im Eismeer. Thienemann, Stuttgart 1999, ISBN 3-522-17315-5
  • Urmel fährt Ballon. Thienemann, Stuttgart 2000, ISBN 3-522-17362-7

Außerdem sind viele Urmel-Bücher für Leseanfänger erhätlich.

Alle Cover-Abbildungen mit freundlicher Genehmigung vom Thienemann Verlag (www.thienemann.de).