Retro-Ecke: Max Kruses Kinderbuch-Klassiker Teil 2 – „Das Urmel“

Weiter geht’s mit dem zweiten großen Helden des berühmten Kinderbuch-Autoren Max Kruse:

Es ist klein, grün, sieht aus wie eine Mischung aus Nilpferd und Dinosaurier. Es ist aus einem Ei geschlüpft, das Tausende von Jahren im Inneren einer Eisscholle auf dem Meer trieb und von eigenartigen sprechenden Tieren, wie zum Beispiel einem Pinguin mit sch-Fehler, ausgebrütet wurde.

Klaro, die Rede ist vom Urmel, das spätestens seit der Fernsehversion der Augsburger Puppenkiste einen echten Kultstatus erreicht hat.

 

Dass das freche Wesen jedoch weitaus mehr Abenteuer erlebt hat, als die vom berühmten Marionettentheater gezeigten, ist längst nicht jedem bekannt.

Aber ich kenne sie alle! Denn ich habe sie letztes Jahr im Sommer durch ebay und Co. zusammen gesammelt und die durch Erich Hölle herrlich illustrierten Geschichten dann Abend für Abend auf dem Balkon verschlungen.

Kein Witz, manchmal hab ich sogar noch einige Minuten mit Taschenlampe weitergelesen, weil es schon dunkel war, ich aber unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Und meine Nachbarin hat sich sicherlich auch gewundert, warum ich ständig vor mich hinkichere, wo ich doch weder mit jemanden spreche noch der Fernseher läuft. Kruses fabelhaften Humor, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, sei Dank.

 

Tief im Vulkan, über den Wolken und sogar im All – die Urmel-Bücher im Überblick:

 

Urmel aus dem Eis

Die wohl bekannteste Geschichte handelt von Professor Habakuks Gründung der Tiersprachschule auf der Insel Titiwu und der Geburt des frechen Urmels. Die Vorstellung der Helden, die uns noch viele Bücher lang begleiten werden, ist kurzweilig und sehr amüsant. Seien es der freche Waran Wawa oder das gestrenge Hausschwein Wutz – gelacht werden kann über jeden!

5 von 5 Sternen

 

Urmel fliegt ins All

Jetzt, wo die Figuren vorgestellt wurden, hatte ich eigentlich einige Erlebnisse auf der Insel erwartet, jedoch verschlägt es unsere Gemeinschaft auf den fremden Planeten Futura. Hier setzt Kruse mit seinen verrückten Einfällen noch einmal einen drauf, wenngleich die Vorstellung von der Zukunft zu Beginn der 70-Jahre heute eher unfreiwillige Komik birgt.

4 von 5 Sternen

 

Urmel taucht ins Meer

Urmel geht auf gefährliche Tauchfahrt, um den Geheimnissen der Seeungeheuer auf die Schliche zu kommen. Diese Roman ist eines meiner liebsten Abenteuer, da Kruse hier besonders geschickt Sprachkomik mit einer spannenden Handlung verküpft.

5 von 5 Sternen

 

Urmel spielt im Schloss

Mit Professor Zwengelmanns Nichte, der Reporterin Naftaline, führt Kruse eine liebenswerte, für die spätere Handlung wichtige, neue Figur ein. Unheimlich witzig, wie das Urmel sich in König Pumpunels Schloss vor der jungen Journalistin versteckt und dort nur Blödsinn anstellt.

5 von 5 Sternen

 

Urmel zieht zum Pol

Professor Tibatong macht sich mit seinen tierischen Freunden auf Expedition zum Nordpol, um einen geheimnisvollen Meteoriten zu finden. Es ist einfach nur wunderbar, welche Stimmung Kruse durch seine detaillierte Beschreibung der eisigen Welt erzeugt. Trotz Hochsommer habe ich beim Lesen schon fast mit Urmel und Co mitgefroren und konnte das Buch nicht eher aus der Hand legen, bis die große, aufregende Reise vorbei war. Positiver Nebeneffekt: Kinder (sicherlich auch einige Erwachsene) lernen viel über die Lebensweise arktischen Völker.

5 von 5 Sternen

 

Urmel im Vulkan

Besonders zu Beginn ist es einfach nur rührend, wie sich Schweinedame Wutz emanzipieren will und Staubwedel gegen Schreibmaschine austauscht, um eine Geschichte von Urmels Abenteuer im Feuerberg auf Papier zu bringen. Der gewöhnungsbedürftige literarische „Wutz“-Stil wird jedoch im gesamten Buch beibehalten, so dass ich mich beim Lesen an einigen Stellen doch etwas gequält habe. Einer der schwächeren Bände.

3 von 5 Sternen

 

Urmels toller Traum

Herrlich abgedreht, was sich das Urmel alles zusammenträumt. Herr Kruse, so etwas kann man sich eigentlich nur im Vollrausch einfallen lassen. Highlight: das Volk der Schweine. Ganz großes Kino, wennglich durch die vielen verrückten Beschreibungen die Handlung etwas auf der Strecke bleibt.

4 von 5 Sternen

 

Urmels großer Flug

„Urmeli“ wird flügge und verlässt die klammheimlich seine Insel. Sehr kurzweilig zu lesen, was er Tolles auf seiner großen Reise durch die Welt erlebt und wie er schließlich wieder heil im Schoß seiner Freunde ankommt. Besonders der Stierkampf, bei dem die arme Wutz ganz schön aus der Puste kommt,  sorgte bei mir für viele Lacher und gefällt garantiert auch Kindern besonders gut.

5 von 5 Sternen

 

Urmel wird ein Star

Der ursprünglich letzte Teil der Serie bietet noch einmal alles, was man in den vorherigen Folgen liebgewonnen hat: Komik, schräge Charaktere, Sprachspiele und verrückte Geschehnisse. Besonders das Finale überzeugt, denn mit Titiwu geschieht etwas ganz Fantastisches, was ich hier natürlich nicht verrate. Ein gelungener Abschluss!

5 von 5 Sternen

 

Urmels Lichterbaum im Eismeer

Nach 30-jähriger Pause setzt Kruse die Urmel-Reihe fort – leider nur sehr mäßig. Die Geschichte wirkt wie ein müder Aufguss von „Urmel zieht zum Pol“ und hört zudem mittendrin auf, als hätte man vergessen, das letzte Drittel zu veröffentlichen. Das riecht für mich verdächtig nach „Abgabetermin einhalten, Herr Kruse, egal, ob sie nun fertig sind oder nicht!“. Das Buch sollte man wirklich nur lesen, wenn man selbst oder die eigenen Kinder nicht genug vom Urmel bekommen. Immerhin: Roman Langs Zeichnungen im Stil des verstorbenen Illustrators Erich Hölle sind sehr schön gelungen!

2 von 5 Sternen

 

Urmel fährt Ballon

Ein Ausflug zum Planeten Igeste? Oh je, das klingt nach einem weiteren Aufguss, dieses Mal von „Urmel fliegt ins All“. Zum Glück war meine Skepsis unbegründet und der Autor hat hier seine alte Form wiedergefunden. Die Rokoko-Lebensweise der Igeste-Bewohner sorgt für herrlich-ulkige Momente!

4 von 5 Sternen

 

  • Urmel aus dem Eis. Thienemann, Stuttgart 1995 (1969), ISBN 3-522-16902-6
  • Urmel fliegt ins All. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16903-4
  • Urmel taucht ins Meer. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16905-0
  • Urmel spielt im Schloss. Thienemann, Stuttgart 1995 (1970), ISBN 3-522-16906-9
  • Urmel zieht zum Pol. Thienemann, Stuttgart (1972), ISBN 3-522-16907-7
  • Urmel im Vulkan. Thienemann, Stuttgart 1995 (1973), ISBN 3-522-16908-5
  • Urmels toller Traum. Thienemann, Stuttgart 1996 (1974), ISBN 3-522-16909-3
  • Urmels großer Flug. Thienemann, Stuttgart 1996 (1974), ISBN 3-522-16904-2
  • Urmel wird ein Star. Thienemann, Stuttgart 1996 (1975), ISBN 3-522-16910-7
  • Urmels Lichterbaum im Eismeer. Thienemann, Stuttgart 1999, ISBN 3-522-17315-5
  • Urmel fährt Ballon. Thienemann, Stuttgart 2000, ISBN 3-522-17362-7

Außerdem sind viele Urmel-Bücher für Leseanfänger erhätlich.

Alle Cover-Abbildungen mit freundlicher Genehmigung vom Thienemann Verlag (www.thienemann.de).

 

 

Retro-Ecke: Max Kruses Kinderbuch-Klassiker Teil 1 – „Der Löwe“

Von Benjamin Vahldiek

Max Kruse, Jahrgang 1921 und Sohn der berühmten Puppenmacherin Käthe Kruse, hat eine Vielzahl wunderbarer Kinderbücher geschrieben und dabei verrückt-liebenswerte Helden geschaffen: Mit einem breiten Lächeln erinnern sich Eltern zurück an die Abenteuer von Don Blech mit seiner Blechbüchsenarmee, dem Junker Hohlkopf oder den Didniks… an das Urmel aus dem Eis, die resolute Schweinedame Wutz – oder eben an das Tier, mit dem Kruses Erfolgsgeschichte (die Gesamtauflage seiner Bücher liegt heute bei mehr als drei Millionen Exemplaren) begann: dem Löwen.

„Es kommt nicht darauf an, wie groß, sondern wie klug man ist.“

(Der Löwe ist los, Thienemann, S. 75)

Die Löwengeschichten erstrecken sich über fünf Bände – und es ist mir beim besten Willen unmöglich zu sagen, welcher Teil mir am meisten gefällt. Denn einfach jedes Ereignis, in das der liebenswerte zottelige Held gerät, ist zum Brüllen komisch.

Der Verlag spricht eine Altersempfehlung ab acht Jahren aus. Freilich sind die Geschichten absolut gewaltfrei und daher theoretisch auch für jüngere Kinder geeignet – die Vielzahl an Charakteren erfordert jedoch sogar bei Erwachsenen gute Konzentration, um nicht hoffnungslos den Überblick zu verlieren.

Ich habe die Bücher gerade noch einmal gelesen: Schon auf den ersten 60 Seiten lernen wir – neben dem Löwen – unter anderem kennen…

  • Kim und seine Schwester Pips, die sich mit Löwe anfreunden,
  • die neugierige Nachbarin Frau Wisstihrschon,
  • den Hund Wu,
  • Kater Schipp,
  • das Lämmchen,
  • Brückenwärter Herr Dreipfennig,
  • den Junge mit dem italienischen Namen Tralala,
  • Herrn Briefträger Marke,
  • Dok, den Tierarzt mit seinem Mensch-flieg-mal-Apparat,
  • Rabe Ra,
  • das Gärtnerpaar Herr Krume und Frau Blume,
  • Totokatapi, den schwarzen Löwenfänger,
  • Leuchtturmwärter Onkel Guckaus und seinen Freund Vater Schluckauf,
  • Zie, die Ziege, die nie den Mund halten kann, oder
  • Ka, den frechen Kakadu.

So viel sei schon verraten: Das Figurenuniversum erweitert sich noch extrem. Deshalb empfehle ich Eltern, ihren Kindern die Löwengeschichten vorzulesen, um ggf. noch einmal kurz zu erklären, wer denn eigentlich „Möwe“ oder „Nenepapa“ ist. Wer sich diese Mühe macht, erlebt wundervolle Lesestunden. Die Kleinen fiebern bei Löwes Reisen durch die Welt und seinen Abenteuern mit, während die Erwachsenen ihre Freude haben werden an Kruses wunderbarem Humor, seinen Sprachschöpfungen und Personenbeschreibungen.

Fazit:

Die Geschichten vom Löwen sind zeitlose Klassiker der Kinderliteratur, die in keinem Bücherregal fehlen sollten.

Übrigens: Die ersten drei Teile wurden kongenial von der Augsburger Puppenkiste verfilmt.

  • Max Kruse: Der Löwe ist los. Thienemann Verlag – ISBN 3522168852
  • Max Kruse: Kommt ein Löwe geflogen. Thienemann Verlag – ISBN 355872139X
  • Max Kruse: Gut gebrüllt, Löwe. Thienemann Verlag – ISBN 352216914X
  • Max Kruse: Löwe gut – alles gut. Thienemann Verlag – ISBN 3522169158
  • Max Kruse: Der dicke Löwe kommt zuletzt. Thienemann Verlag – ISBN 3522169468

Alle Cover mit freundlicher Genehmigung vom Thienemann Verlag (www.thienemann.de)

Weil’s so schön ist… Die Hits der Augsburger Puppenkiste „Urmel“ und „Jim Knopf“ erstmalig auf Blu-ray

Von Benjamin Vahldiek

So!…Feierabend, Emma!

Ganz klar: Eltern, die ihren Kindern die Augsburger Puppenkiste vorenthalten, kennen diese entweder selbst nicht oder sind einfach nur schrecklich, schrecklich grausam. Andere Gründe lasse ich nicht gelten!

Seit über 60 Jahren begeistert das Oehmische Marionettentheater Generationen von Zuschauern jeden Alters mit Fernseh-Klassikern wie „Kleiner König Kalle Wirsch“ oder „Don Blech und der goldene Junker“. Nahezu immer dabei und deshalb schnell zum absoluten Kult avanciert: das Meer aus Plastikfolie.

Und umgeben von diesem Meer liegen zwei berühmte Inseln. Eine hat zwei Berge und die andere beherbergt eine Tiersprachschule, eine Schlummertonne und eine „Mupfel“.

Logisch, die Rede ist von den beiden Puppenkisten-Evergreens „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ und „Urmel aus dem Eis“.

Die Verfilmung der Knopf’schen Buchvorlage des berühmten Michael Ende ist einfach wunderbar gelungen: Alle Figuren wurden besonders liebevoll geschnitzt und faszinieren mich auch heute noch, weil sie trotz ihrer Einfachheit so lebendig wirken. Die Geschichte war von jeher sowohl für Erwachsene als auch für Kinder spannend und – typisch Ende – philosophisch, so dass es eine Freude ist, mit der ganzen Familie zu verfolgen, wie Jim und Lukas die Prinzessin Li Si retten und später (in „Jim Knopf und die Wilde 13“) das Geheimnis der Piratenbrüder und der Insel Lummerland lüften.

Ein großes Highlight war für mich die Veröffentlichung der DVD-Deluxe-Editionen vor ca. zwei Jahren in verbesserter Bild- und Tonqualität inklusive Bonus-Scheibe, auf der erstmalig die ursprünglichen Versionen beider Jim-Knopf-Abenteuer zu sehen sind. Die Produktionen von 1961/1962 in Schwarz/Weiß dauern jeweils ca. 50 Minuten länger und gefallen mir sogar besser, als die wesentlich bekannteren Farbfassungen (u. a., weil hier weniger gesungen wird und die umfangreiche Story noch genauer wiedergegeben ist).

Das „Urmeli“ punktet besonders durch seine urkomischen tierischen Helden, die alle mit der korrekten Aussprache zu kämpfen haben. Egal, ob Ping Pinguin, der gerne eine „pföne gepfäumte Mupfel“ hätte, oder der „ömma sö träuögö“ Seelefant – Kinder und Eltern werden sich gemeinsam so richtig schön amüsieren, wenn sie zusehen, wie Urmel aus dem Ei schlüpft und in der Fortsetzung „Urmel spielt im Schloss“ das Anwesen des Königs Pumponell auf den Kopf stellt. Überflüssig zu erwähnen, dass ich beide Abenteuer schon längst auf DVD im heimischen Regal stehen habe.

Nun zum ersten Mal als DVD-Platinversion inklusive Blu-ray

Anfang September wird es für mich jedoch wohl oder übel darauf hinauslaufen, noch einmal in den Geldbeutel zu greifen. Denn erstmalig erscheinen beide Jim-Knopf- und Urmel-Teile auf Blu-ray – als Bonus zur x-ten DVD-Neuauflage, der „Platinversion“. Mit unveröffentlichen Extras (Jim Knopf zu Besuch in Heinz Schenks Unterhaltungsshow „Zum Blauem Bock“, Interviews etc.) und umfangreichen Booklet sollen die Abenteuer angeblich ein weiteres Mal in Bild und Ton verbessert worden sein. Ich frage mich allerdings, was hier noch optimiert werden soll, war das Ergebnis der ersten Überarbeitung doch wirklich fantastisch.

Mehr freue ich mich auf die angekündigte ertsmalige Restaurierung von „Urmel spielt im Schloß“, schon allein deshalb werde ich mir zumindest die Urmel-Box kaufen. Ich weiß, ich bin ein Freak, aber was sein muss, das muss sein – zumindest für mich.

Ob sich die erneute Anschaffung der DVD-Ausgaben inklusive Blu-rays lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fest steht jedoch: Irgendeine Version von Jim Knopf und dem Urmel sollte man jedoch in jedem Fall sein eigen nennen, um zusammen mit der ganzen Familie unvergessliche TV-Stunden ohne Gewalt oder Hektik, dafür aber mit viel Fantasie und Witz, zu haben!

 

kidsdeal-Tipp

Und wer in diesem Jahr noch in die Nähe von Augsburg kommt: Bis zum 21.Oktober gibt es im Augsburger Puppentheatermuseum „Die Kiste“ noch die Sonderausstellung „… dann leben sie noch heute!“ zum 200. Jubiläum der Herausgabe der Grimmschen Hausmärchen zu sehen!

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Quelle: http://youtu.be/N-hvd0G9rFE