Hallo Spencer – die „zweite“ Staffel des TV-Kults auf DVD

Von Benjamin Vahldiek

Hallo Leute, von A bis Z, von Eins bis 100, von Norden bis Süden und von Osten bis Westen. Hier bin ich wieder, euer lieber, guter, alter… Spencer!

 

Was waren die frühen 80er Jahre doch für herrliche Zeiten. In unserer Kindheit saßen wir alle pünktlich um 18 Uhr vor der Flimmerkiste und schauten im dritten Programm von Montag bis Mittwoch die „Sesamstraße“ (in der noch solche Größen wie Liselotte Pulver oder Manfred Krug lebten und das altkluge Geschwätz eines Herrn von Bödefeld ertragen mussten oder dem naiven Bären Samson mal wieder die Welt erklären mussten), donnerstags gab es die „Lach- und Sachgeschichten“ mit der Maus und dem Elefanten (Stichwort: „Das war Griechisch!“)… und freitags lud uns die gelbe Klappmaulpuppe Spencer in sein Studio ein.

Um welch ein Wesen es sich bei dem gelben Eierkopf mit kariertem Anzug und Schirmmütze genau handelt, kann ich bis heute nicht sagen. Fest steht, dass Spencer so eine Art Boss über das Runddorf ist, in dem allerlei schräge Bewohner in noch schrägeren Behausungen leben: sei es Poldi, der „schönste Jungdrache der Welt“, der immer wieder kreischte „Ich will dir fressen!“ und in einem Vulkan schläft, Kasimir, das rotbraune Zottelvieh, dessen Wohnung in einem Kastanienbaum per modernen Aufzug erreicht werden kann, oder Lexi, der Klugsch..ßer und Bücherwurm, in seinem zur Bibliothek umgebauten Riesenpilz.

Kabarettist Jochen Busse, bekannt als Moderator von RTLs „Sieben Tage, sieben Köpfe“ oder aus der Comedy-Serie „Das Amt“ zeichnet sich für viele Hallo-Spencer-Drehbücher verantwortlich. Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass es nicht nur die Amis beherrschen, abgedrehte Puppenfilm-Storys für Kinder zu schaffen, die gleichzeitig pädagogisch wertvoll sind: Wenn Spencer sich ein Ei in die Pfanne hauen will, erfährt man im Laufe der Geschichte beispielsweise so einiges darüber, wo es herkommt und welchen Weg es nimmt, bis es in der Küche und schließlich im Magen landet. Die Superhits der dörflichen Rockband „Quietschbeus“ sorgen genauso für Abwechslung wie die Besuche der Außerirdischen Galaktika vom fernen Stern Andromedar, die den Dorfbewohnern nicht selten aus der Patsche helfen muss.

„Hallo Spencer“ hat aber nicht nur Kinder der 80er-Generationen begeistert: Insgesamt 275 (!) Folgen wurden von 1979 bis 2001 produziert. Und vor ca. zwei Jahren war es endlich soweit, dass die erste Staffel auf DVD erschien, so dass Eltern den zeitlosen Kult ihren Kindern präsentieren können.

Keine Ahnung, warum Season 2 so lange auf sich warten ließ – jetzt ist sie jedenfalls zu haben, die Abenteuer mit Spencer, dem grummelnden Schlossherren Nepomuk oder den reizbaren Zwillingsschwestern Mona und Lisa, gehen weiter: 36 Episoden, über 1.000 Minuten… das garantiert für Alt und Jung eine Menge Spaß. Herrlich mitzuerleben, wie Poldi sich von einer Mandelentzündung erholen muss oder die Dorfbewohner mehr schlecht als recht das Märchen „Dornröschen“ aufführen. Tolle, liebevoll gebaute Kulissen und Puppen sowie herrliche Puppenspieler, die alle Dialoge noch live beim Führen ihrer Figuren einsprachen, so dass eine ganz besondere Dynamik zu spüren ist, tragen enorm bei zum TV-Genuss.

Allerdings gibt es bei „Hallo Spencer – die komplette zweite Staffel“ eine fette Kröte zu schlucken: Der Titel ist schlichtweg falsch. Es handelt sich nämlich ganz und gar nicht um alle Folgen aus Staffel 2 – und die Reihenfolge ist auch nicht korrekt, was dazu führt, dass einige Handlungen nicht nachvollzogen werden können. Viele Nostalgie-Fans haben sich deshalb schon beim Herausgeber beschwert – zu recht, wie ich finde: Zwar freue ich mich über neuen Spencer-Stoff, egal aus welcher Staffel und in welcher Chronologie (und so wird es auch allen Kindern gehen, die Spencer lieb gewonnen haben), aber das ist einfach nur Schlamperei, wenn nicht sogar Etikettenschwindel.

Ansonsten:

„Hallo Spencer“ ist eine deutsche Puppenserie für Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene, die auch noch heute absolut begeistert und bisher unerreichbar geblieben ist. Wer mit dem groben Fauxpas der falschen Angaben leben kann, sollte sich unbedingt auch diese zweite Box zulegen.