„Hanni und Nanni 39: Auf hoher See“ – das neueste Hörspiel von Enid Blyton’s Zwillingen sorgt für Urlaubs-Stimmung

Von Benjamin Vahldiek

Eine Kreuzfahrt auf einem Traumschiff? Nanni rümpft kritisch die Nase. Doch was anfangs wie öder Urlaub wirkt, entwickelt sich rasch zu einer Kette von aufregenden Ereignissen: Ein schwerer Sturm, ein Wiedersehen mit einem bekannten Rockstar, ein verschwundener Hund und die Folgen einer schweren Lebensmittelvergiftung sorgen auf dem Luxusliner für allerhand Trubel. Doch das ist noch längst nicht alles…

  • Erzähler: Lutz Mackensy
  • Hanni: Regine Lamster
  • Nanni: Manuela Dahm
  • Fizz: Kerstin Draeger
  • Roy Bernhard: Marcus Kaiser
  • Melanie: Katja Brügger
  • Irma Voncampe: Monika John
  • Elke Lemansky: Judy Winter

Inhalt und Cover mit freundlicher Genehmigung von Kühl-PR.

Kaum ist das neueste Hörspiel der Zwillinge Hanni und Nanni eingelegt, schon geht es ohne große Einleitung los: Wir befinden uns im Auto der Familie Sullivan, die sich auf den Weg macht zu einer Luxus-Kreuzfahrt. An Bord erleben die beiden Schwestern allerhand Überraschungen und kleinere Abenteuer – und das ist der wesentliche Unterschied zu sonstigen Episoden:

Anstatt einen längeren Handlungsstrang gibt es dieses Mal viele kürzere Geschichten. Sie sind zwar alle verbunden durch das Setting, könnten aber problemlos mit Pausen gehört werden, etwas häppchenweise für die Kleinen zum Einschlafen. Dies erinnert an die allerersten Folgen aus den 70er Jahren, wo Studio Europa noch die Original-Bände Enid Blytons umsetzte, und hat genau deshalb einen gewissen Charme. Schade allerdings, dass bei „Hanni und Nanni auf hoher See“ außer Mitschülerin Fizz niemand aus dem Internat Lindenhof dabei ist – abgesehen von einem witzigen Kurzauftritt der Lehrerin Elke Lemansky (wie immer köstlich in dieser Rolle: die große Judy Winter). Denn schon Vorgänger-Folgen wie „In ernster Gefahr“ oder „Gefangen im Eis“ hatten wenig zu tun mit den klassischen Hanni-und-Nanni-Themen Lehrer, Schulstreiche, neue Mitschüler und Mitternachtspartys. Zumindest ein paar mehr Klassenkameradinnen, zum Beispiel die altkluge Hilda, Kusine Elli oder die vorlaute Jenny, hätten gern mitgedurft auf den edlen Dampfer, um etwas mehr Schulflair aufkommen zu lassen.

Nach wie vor sind die Dialoge unheimlich hölzern: Niemand spricht im wirklichen Leben dermaßen verschachtelt, so dass eine Überarbeitung der Drehbücher gut getan hätte (bei anderen Europa-Produktionen wie beispielsweise „Fünf Freunde“ geht’s doch auch!). Konnten routinierte Sprecher wie Kerstin Draeger (Fizz) durch gute Betonung ansonsten immer noch etwas herausreißen, so geling das diesmal leider nicht immer: Gerade Draeger übertreibt hier stark und es ist anstrengend, ihr zuzuhören. Bemerkenswert, dass sogar Regisseurin und Nicht-Schauspielerin Heikedine Körting in ihrer Mini-Rolle als Sullivan-Mutter überzeugender ist.  Zum Glück gibt es auch routiniert-gute Leistungen von Hörspiel-Allzweckwaffen wie Katja Brügger als Assistentin des Rocksängers Roy Bernhard. Auch schön, Monika John – unter anderem bekannt als Schachkönigin in der beliebten Anime-Serie „Alice im Wunderland“ – mal wieder zu hören: Sie gibt eine herrlich verzweifelte, leicht schrullige Dame, die ihren Hund vermisst.

Fazit:

Alles in allem ist „Hanni und Nanni auf hoher See“ durchaus hörenswert, jedoch kein Highlight der Serie. Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht noch weiter von Lindenhof entfernt und schon bald wieder mehr der bewährten und beliebten Zutaten dabei sind.

 

Enid Blyton’s Hanni und Nanni 37: „gefährden eine Freundschaft“

Von Benjamin Vahldiek

„Was macht gerade unsere Schule so besonders, und warum verdient sie es, mit dem ersten Preis ausgezeichnet zu werden?“ Seit sich die Lindenhof-Mädchen voller Elan in den Schulwettbewerb stürzen, reißen die Aufregungen nicht ab! Die Schülerinnen setzen alles daran, das Projekt zu gewinnen; gilt es doch, die konkurrierende Ringmer-Schule aus dem Rennen zu schlagen! Aber dann wird die anfangs fröhliche Zusammenarbeit von einem bösen Verdacht überschattet: Wettbewerbsspionage! Spielt Jenny etwa ein falsches Spiel? Plötzlich gerät die ganze Geschichte außer Kontrolle…

(Inhalt und Cover mit freundlicher Genehmigung von www.kuehlpr.de)

Ein Lehrstück über die Bedeutung von Freundschaft

 

So recht entscheiden konnte man sich bei Folge 37 nicht: Soll nun der Wettbewerb zwischen den Schulen im Vordergrund stehen oder geht es um die Freundschaft zur Klassenkameradin Jenny, die zu zerbrechen droht?

Während knapp die Hälfte der Spielzeit mit der Planung für einen gewinnbringenden Beitrag draufgeht, konzentriert sich der zweite Teil auf die falschen Verdächtigungen. Damit nimmt die Vorgeschichte, die zu den Anschuldigungen führt, meiner Ansicht nach zu viel Raum ein. Kürzungen hätten der Handlung gut getan.

Im Vergleich zu „Die Fünf Freunde“ oder „TKKG“ sind die Dialoge teilweise sehr hölzern; sie funktionieren geschrieben, aber niemand spricht so. Allerdings unterstützt diese Vortragsart doch sehr den Nostalgiefaktor, der „Hanni und Nanni“ seit jeher ausmacht.

Die Sprecherleistungen sind auf bekanntem Niveau. Das bedeutet, man hört deutlich, wer eine Schauspielschule von innen gesehen hat und wer als Kinderstar im Studio EUROPA kleben geblieben ist. Großes Lob gilt mal wieder Judy Winter, die der tollen Lehrerinnen-Figur Frau Lemansky (eine Mischung aus lustig, undurchschaubar und gemein) durch ihre unverwechselbare Stimme einen ganz besonderen Stempel aufdrückt.

Fazit

Was die Folge zur Kaufempfehlung werden lässt, ist die in die Handlung harmonisch eingebettete Botschaft, dass Vertrauen die Basis darstellt für Freundschaft und wie wichtig es ist, offen miteinander zu reden. Und das gilt nicht nur für Kinder.

Enid Blyton’s „Hanni und Nanni“ Folge 38: In ernster Gefahr

Krimi-Feeling bei Hanni und Nanni

Inhalt:

Die neue Mitschülerin Lea Groß kann einem schon leidtun. Sie ist sehr unsicher, dem Unterrichtsstoff kann sie nur schwer folgen und sie hält sich nicht für besonders attraktiv. Klar, dass Hanni und Nanni den Kontakt zu dem Mädchen aufnehmen, um sie in die Klassengemeinschaft einzubinden. Doch plötzlich wird es gefährlich! Ein Erpresserschreiben taucht auf, die Polizei erscheint und dann geraten die Zwillinge in eine Situation, in der sich die Frage stellt, ob sie den Lindenhof jemals wiedersehen werden…

ASIN: B00779GB1O

Cover und Inhaltsangabe mit freundlicher Genehmigung von Kühl PR.

Von Benjamin Vahldiek

Mitternachtspartys, Vertrauensschülerinnen und Medizin von der Hausmutter

„Hanni und Nanni“ dürften das wohl bekannteste Zwillingspaar der Kinder- und Jugendliteratur sein. Seit 43 Jahren erleben sie in vielen aufregenden Geschichten ihre Abenteuer auf dem Internat Lindenhof. Erfunden wurden die Sullivan-Geschwister von der britischen Erfolgsautorin Enid Blyton, aus deren Feder auch Klassiker stammen wie „Fünf Freunde“, „Dolly“, „Tina und Tini“ oder die „Rätsel“- und „Geheimnis“-Serie.

1972 startete das Hörspiellabel Europa die Vertonung der Bücher und holte sich Schauspielgrößen ins Studio wie den als „Märchenonkel“ titulierten Hans Paetsch oder die als „Hexe Schrumpeldei“ bekannte Marga Maasberg. Bis 1986 brachte es die Reihe auf 12 Hörspiele und wurde dann eingestellt. So war es für Hanni-und-Nanni-Fans ein kleiner Paukenschlag, als 2002 endlich neue Abenteuer auf MC und CD veröffentlicht wurden – und das sogar mit dem Stammensemble!

Dabei ist es den Autoren gelungen, den Sprung in die Neuzeit behutsam herbeizuführen: Hanni und Nanni gehören längst nicht mehr zu den Figuren aus der „Backfischliteratur“, in der Mädchen nichts anderes sind als der Wildfang, den es zu zähmen und zur guten Haus- und Ehefrau zu erziehen gilt. Sie sind selbstbewusst und vertreten ihre eigene Meinung – jedoch taten die Verfasser der neuen Abenteuer gut daran, die traditionellen Wurzeln nicht zu stark zu kappen:

So bleibt Direktorin Frau (ehemals „Fräulein“) Theobald weiterhin oberste Instanz, deren Wort nicht so schnell angezweifelt werden sollte. Handys oder andere neue Medien sind tabu. Herzschmerz um Jungs gibt es nicht. Nach wie vor leben Hanni und Nanni in einem eigenen Kosmos und haben ihre Mitschülerinnen an der Seite, von denen jede auf sympathische Weise ein Klischee bedient: Hilda ist die Brave, Jenny die Vorlaute, Carlotta die Wilde – oder Kusine Elli die Oberflächliche. Das mag Frauenrechtlerinnen heute wie damals nicht gefallen – doch wenn schon: Es ist einfach nur herrliche Nostalgie!

Epresserschreiben und dunkle Gänge

In der aktuellen Folge 38 „Hanni und Nanni in ernster Gefahr“ mischt Autor André Minninger gekonnt lieb gewordene Themen mit neuen Elementen. Internatsfeeling kommt gleich zu Beginn auf, wenn Fräulein… äh… Frau Theobald – mitten im größten Direktorinnen-Stress – einen mysteriösen Anruf erhält (hier entsteht für einen Moment sogar richtige Drei-Fragezeichen-Stimmung!) oder wenn Elli die neue Mitschülerin Lea beschnuppert.

Recht schnell nimmt die Handlung jedoch eine Wendung, die ich zuvor in dieser Art von Hanni und Nanni noch nicht kannte und es entwickelt sich ein richtiger Krimi-Plot. So bleibt das wahre Motiv für Leas Entführung bis zum Schluss unklar – genauso wie die Info über den Täter.  Der Fokus liegt bei Hannis und Nannis Ermittlungsarbeiten und ihren gefährlichen Erlebnissen in den dunklen Höhlengängen.

Dies hat zur Folge, dass man wenig bis gar nichts von den reizenden Nebendarstellerinnen hört: Die nach all den Jahren noch immer fabelhaft mädchenhaft klingende Reinhild Schneider hat als Jenny nur wenige Sätze, auf Carlotta oder das nervöse Mamsell „Fürschterlisch“ muss man ganz verzichten. Das ist zwar schade, ließ sich dieses Mal jedoch wohl nicht vermeiden. Dennoch: Bei so wenig Folgen, die im Jahr erscheinen, darf es beim nächsten Mal ruhig wieder ein Mitternachtsfest mit allen Schülerinnen oder ein Schabernack im Klassenraum sein. Dass alte Pfade zu sehr ausgetrampelt werden ist bei Hanni und Nanni noch längst kein Problem.

Die Darstellerinnen sind auf gewohntem Niveau, was bedeutet, dass alte Hasen wie Renate Pichler als Direktorin Theobald oder die bereits erwähnte Reinhild Schneider ihre Texte souverän einsprechen und die Figuren mit Leben füllen, während andere Kolleginnen, die noch nie wirklich zur Riege der großen Schauspielerinnen gehörten, nach wie vor eine eher hölzerne Performance abgeben.

Aber: Dies stört nicht! So klingt Barbara Schipper als Elli einfach gefühlte hundert Jahre zu alt für diese Rolle und chargiert was das Zeug hält, der Nostalgie-Hörer ist jedoch dankbar, dass sich die Damen nach all den Jahren wieder zusammengefunden haben, um die „gute alte Zeit“ zu feiern. Dass alle Spaß an ihrer Arbeit haben, hört man am Zusammenspiel: Ich nehme an, dass wieder möglichst viele Sprecherinnen gemeinsam vor dem Mikrofon standen und die Dialoge nicht zusammengeschnitten wurden. Top!

Großes Lob gilt Regisseurin Heikedine Körting, die es immer wieder schafft, eine sehr authentische Atmosphäre zu schaffen, nicht zuletzt durch den Einsatz vieler Nebengeräusche wie Lautsprecherstimmen oder Telefonklingeln im Hintergrund.

Schade, dass einige Dialoge etwas holperig sind (so berichtet der Erzähler davon, dass die Zwillinge sich „gegen ein geringes Entgelt“ Lampen ausleihen), aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Hanni und Nanni waren, sind, bleiben Kult und sind auch für Kinder von heute als gewaltfreie und lehrreiche Geschichten genau das richtige. Und Mutti sitzt – vielleicht sogar mit Vati – ebenfalls vor dem Hörspielgerät und denkt wehmütig an die gute alte Zeit.