Nils Holgersson: ein weiterer TV-Anime-Klassiker auf DVD-Komplettbox

„Nils Holgersson fliegt mit den Gänsen davon…“

„Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ dürfte Eltern wohl eher noch bekannt sein als – ganz einfach – „Nils Holgersson“. Und schon hat man wieder Karel Svobodas altes Lied im Ohr, das zu Beginn der 1980-er Jahre im Nachmittagsprogramm der ARD zu hören war: „Nils Holgersson fliegt mit den Gänsen davon…“

In Deutschland ist die Anime-TV-Serie wahrscheinlich geläufiger als die Romanvorlage der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf:

Nils Holgersson ist ein richtiger Bengel. Zusammen mit seinen Eltern lebt er auf einem Bauernhof in West-Vemmenhög und hat nichts Besseres zu tun, als die Tiere zu quälen. Auch seinen Hamster Krümel vernachlässigt er. Jedoch hat er die Rechnung ohne das Wichtelmännchen gemacht: Abrakadabra hat es Nils auf Däumlingsgröße schrumpfen lassen.

Zusammen mit den Wildgänsen begibt sich Nils nun auf eine unglaubliche Reise, bei der er vielen Gefahren trotzen muss. Allmählich sieht er seine Fehler ein und wird schließlich wieder ein ganz normaler Junge…

Traditionell bestehen auch Holgerssons Abenteuer aus 52 Episoden mit einer Spielzeit von jeweils ca. 25 Minuten. Und traditionell wird auch hier Kindern, Jugendlichen und sogar Erwachsenen alles geboten, was die unvergleichliche Qualität der Anime-Serien zu dieser Zeit (Heidi, Wickie und die starken Männer, Alice im Wunderland, Sindbad, Anne mit den roten Haaren, Biene Maja… die Liste lässt sich noch ewig so weiterführen) ausmacht: spannende Geschichten, liebevolle Charaktere, Gewaltfreiheit sowie eine unglaublich gute deutsche Synchronisation mit Stars wie UFA-Schauspielerin Mady Rahl als Wildgans Aka, Dagmar Heller (Stammsprecherin von Mia Farrow, Barbra Streisand oder Jamie Lee Curtis) als Erzählerin oder Elmar Wepper als Rabe Bataki.

Fazit:

Dank der vor einiger Zeit veröffentlichen DVD-Komplettbox ist es nun für die ganze Familie möglich, sich auf den Rücken der Wildgänse zu schwingen und sich von einem Abenteuer ins nächste fliegen zu lassen. „Nils Holgersson“: Eine absolute Kaufempfehlung, TV-Kult vom Allerfeinsten.

Von Benjamin Vahldiek

Hänsel und Gretel – die Neuverfilmung des Grimmschen Klassikers auf DVD. Oder: das große Fremdschämen

Von Benjamin Vahldiek

Die ARD setzt ja nun schon seit Jahren auf ihre Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“. Pünktlich zu Weihnachten werden dann Neuverfilmungen berühmter oder auch weniger bekannter Märchen ausgestrahlt: Und was da über die Mattscheibe lief, war zum größten Teil unterirdisch schlecht; man erinnere sich nur an Andrea Sawatzki als böse Stiefmutter in „Brüderchen und Schwesterchen“, die so unglaublich chargierte, dass man als Zuschauer ganz nervös wurde, oder an die schrecklich kitschige digitale Blumenwiese aus„Frau Holle“… nein, es ist mir völlig schleierhaft, warum diese Serie so erfolgreich ist und von Kritikern oftmals hoch gelobt wird.

Heute reichts es anscheinend völlig aus, eine Hannelore Elsner in ein mittelalterliches Kleid zu pressen und die böse Fee in „Dornröschen“ spielen zu lassen oder zu zeigen, wie Robert Stadlober als Rumpelstilzchen verkleidet übers Feuer hüpft. Wenn man da an einige der guten alten DDR- oder UdSSR-Produktionen wie „Das Feuerzeug“, „Schneewittchen“ oder „Das singende klingende Bäumchen“ denkt, wird einem richtig weh ums Herz beim Vergleich mit den lieblosen TV-Umsetzungen von heute.
Der Gipfel des schlechten Geschmacks wurde nun an Weihnachten 2012 erreicht – und ich glaube (bzw. hoffe!), schlimmer geht’s nimmer! „Hänsel und Gretel“, eines der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm, präsentierte sich als 60-minütiger Total-Flop, bei dem man einfach alles falsch gemacht hat, was falsch zu machen war… irgendwie ist dies ja auch eine Kunst.
Das Desaster geht bei den Darstellern los, erstreckt sich über Bühnenbild und Kostüme und mündet schließlich in hanebüchenen Abweichungen vom literarischen Vorbild:

So gibt Mila Böhning beispielweise eine absolut peinliche Gretel. Sie wirkt viel zu alt und abgebrüht für ihr affektiert-ängstliches Spiel. Getoppt wird sie jedoch von Anja Kling als böse Hexe: Wie Kling die Augen aufreißt, eine Schnute zieht, mit den Armen wedelt, kreischt, hysterisch lacht… all das ist Bauerntheater auf schlechtestem Niveau und verdient die „Goldene Tomate“ für miserables Schauspiel. Zudem muss man sie auch noch in der Rolle der hexischen Zwillingsschwester ertragen – der guten Marie, die auf der Seite von Hänsel und Gretel ist. Hexenschwester? Ja, richtig gelesen! Nichts gegen leichte Abwandlungen, aber eine völlig neue Storyline und neue Hauptcharaktere in diesen Märchen-Klassiker einzubauen, das ist schon sehr arm – besonders dann, wenn diese Änderungen nicht wirklich hätten sein müssen bzw. neue Aspekte oder Intentionen mit sich bringen.

Unterstrichen wird die Ansammlung von Peinlichkeiten durch katastrophale Kostüme (Kling als Hexe sieht aus wie ein 80er-Jahre-Girly mit verrutschten Schulterpolstern, das sich nicht schminken kann) und Bauten (das Hexenhaus besteht aus gut sichtbarem Vollplastik und bekommt mit jeder noch so billigen Hänsel-und-Gretel-Schaufensterdeko bei „Woolworth“ oder „Rudis Resterampe“ ernsthafte Konkurrenz; das Innere des Häuschens ist eine Kreuzung aus U-Boot und Raumpatrouille Orion.

Kurzum: Neue Aspekte, innovative Herangehensweise… alles schön und gut. Was allerdings bei „Hänsel und Gretel“ herauskam ist einfach nur grottig und garantiert mindestens bei Eltern absolutes Fremdschämen, während Kinder wahrscheinlich schnell das Interesse verlieren – wenn nicht sogar ebenfalls peinlich berührt sind.

Fazit: Ich empfehle, um die DVD einen weiten Bogen zu machen. Diese Märchenverfilmung geht gar nicht!!