Hänsel und Gretel – die Neuverfilmung des Grimmschen Klassikers auf DVD. Oder: das große Fremdschämen

Von Benjamin Vahldiek

Die ARD setzt ja nun schon seit Jahren auf ihre Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“. Pünktlich zu Weihnachten werden dann Neuverfilmungen berühmter oder auch weniger bekannter Märchen ausgestrahlt: Und was da über die Mattscheibe lief, war zum größten Teil unterirdisch schlecht; man erinnere sich nur an Andrea Sawatzki als böse Stiefmutter in „Brüderchen und Schwesterchen“, die so unglaublich chargierte, dass man als Zuschauer ganz nervös wurde, oder an die schrecklich kitschige digitale Blumenwiese aus„Frau Holle“… nein, es ist mir völlig schleierhaft, warum diese Serie so erfolgreich ist und von Kritikern oftmals hoch gelobt wird.

Heute reichts es anscheinend völlig aus, eine Hannelore Elsner in ein mittelalterliches Kleid zu pressen und die böse Fee in „Dornröschen“ spielen zu lassen oder zu zeigen, wie Robert Stadlober als Rumpelstilzchen verkleidet übers Feuer hüpft. Wenn man da an einige der guten alten DDR- oder UdSSR-Produktionen wie „Das Feuerzeug“, „Schneewittchen“ oder „Das singende klingende Bäumchen“ denkt, wird einem richtig weh ums Herz beim Vergleich mit den lieblosen TV-Umsetzungen von heute.
Der Gipfel des schlechten Geschmacks wurde nun an Weihnachten 2012 erreicht – und ich glaube (bzw. hoffe!), schlimmer geht’s nimmer! „Hänsel und Gretel“, eines der schönsten Märchen der Gebrüder Grimm, präsentierte sich als 60-minütiger Total-Flop, bei dem man einfach alles falsch gemacht hat, was falsch zu machen war… irgendwie ist dies ja auch eine Kunst.
Das Desaster geht bei den Darstellern los, erstreckt sich über Bühnenbild und Kostüme und mündet schließlich in hanebüchenen Abweichungen vom literarischen Vorbild:

So gibt Mila Böhning beispielweise eine absolut peinliche Gretel. Sie wirkt viel zu alt und abgebrüht für ihr affektiert-ängstliches Spiel. Getoppt wird sie jedoch von Anja Kling als böse Hexe: Wie Kling die Augen aufreißt, eine Schnute zieht, mit den Armen wedelt, kreischt, hysterisch lacht… all das ist Bauerntheater auf schlechtestem Niveau und verdient die „Goldene Tomate“ für miserables Schauspiel. Zudem muss man sie auch noch in der Rolle der hexischen Zwillingsschwester ertragen – der guten Marie, die auf der Seite von Hänsel und Gretel ist. Hexenschwester? Ja, richtig gelesen! Nichts gegen leichte Abwandlungen, aber eine völlig neue Storyline und neue Hauptcharaktere in diesen Märchen-Klassiker einzubauen, das ist schon sehr arm – besonders dann, wenn diese Änderungen nicht wirklich hätten sein müssen bzw. neue Aspekte oder Intentionen mit sich bringen.

Unterstrichen wird die Ansammlung von Peinlichkeiten durch katastrophale Kostüme (Kling als Hexe sieht aus wie ein 80er-Jahre-Girly mit verrutschten Schulterpolstern, das sich nicht schminken kann) und Bauten (das Hexenhaus besteht aus gut sichtbarem Vollplastik und bekommt mit jeder noch so billigen Hänsel-und-Gretel-Schaufensterdeko bei „Woolworth“ oder „Rudis Resterampe“ ernsthafte Konkurrenz; das Innere des Häuschens ist eine Kreuzung aus U-Boot und Raumpatrouille Orion.

Kurzum: Neue Aspekte, innovative Herangehensweise… alles schön und gut. Was allerdings bei „Hänsel und Gretel“ herauskam ist einfach nur grottig und garantiert mindestens bei Eltern absolutes Fremdschämen, während Kinder wahrscheinlich schnell das Interesse verlieren – wenn nicht sogar ebenfalls peinlich berührt sind.

Fazit: Ich empfehle, um die DVD einen weiten Bogen zu machen. Diese Märchenverfilmung geht gar nicht!!

Im Wald, da sind die Räuber…

Wir feiern 50 Jahre Räuber Hotzenplotz

Ein struppiger schwarzer Bart, Hakennase, Schlapphut mit Feder und sieben scharfe Messer am Gürtel: So kennt man ihn jetzt schon seit 50 Jahren. Ihn, den gefürchteten Räuber Hotzenplotz, der – ganz wie es sich für einen Oberschurken gehört – tief im Wald in einer Höhle haust und sein Räuberleben liebt.

Generationen von Kindern haben Otfried Preußlers beliebte dreibändige Buchreihe bereits verschlungen und sich mit Kasperl und Seppel auf Abenteuer beim Zauberer Petrosilius Zwackelmann oder der Witwe Schlotterbeck begeben. Bisher schon dreimal als Realverfilmung umgesetzt, bleibt die erste Version von 1974 mit dem großen Schauspielmimen Gerd Fröbe wohl noch immer die schönste.

Zum großen Jubiläum sind natürlich einige neue Hotzenplotz-Produkte erhältlich:

 

Es rappelt in der Kiste: Die Hotzenplotz-Jubiläums-Edition der Augsburger Puppenkiste auf DVD

Wer es gern richtig nostalgisch hat und seinen Kleinen ein Stück aus seiner eigenen Kindheit präsentieren möchte, der kann schon seit Längerem auf die Hotzenplotz-DVD der Augsburger Puppenkiste zurückgreifen. Die Bühneninszenierung des ersten Teils von 1967 glänzt durch liebevolle Kulissen, handgeschnitzte Marionetten und ulkige Dialoge. Der Kasperl spricht selbstverständlich schwäbisch und singt zusammen mit seinem Freund Seppel das ein oder andere zünftige Lied, das im typischen Puppenkisten-Stil rustikal und mit Ohrwurmcharakter daher kommt. Da stört es kaum, dass das Bild nur in schwarz/weiß ist.

Am 24. August erscheint nun eine Puppenkiste-Sonderauflage: In einem Schuber finden Fans neben der Hotzenplotz-DVD die Abenteuer von Josef Ladas „Kater Mikesch“, für dessen Nacherzählung Otfried Preußler 1963 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde – somit steht 2012 also ein doppeltes Preußler-Jubiläum an! Gleich zweimal hat die Kiste die Mikesch-Geschichten aus Holleschütz für das Fernsehen umgesetzt: Die DVD beinhaltet beide Versionen, einmal in schwarz/weiß und einmal in Farbe mit neuen Kulissen und Marionetten. Somit bietet sich eine super Gelegenheit, für wenig Geld doppelten Nostalgie-Filmspaß in ruhigen Bildern und völlig gewaltfrei zu erhalten. (FSK: Ohne Altersbeschränkung, Studio: S.A.D. Home Entertainment GmbH, ASIN: B008JEXSZI)

Vorsicht, Gold! Die Hotzenplotz-Bücher-Schatzkiste

Fast schon zu schade zum Schmökern, sondern eher als Schmuckstück für das Regal geeignet, ist die Neuauflage der Hotzenplotz-Bücher: Alle drei Klassiker gibt es seit dem 20. Juli in neuer, 4-farbig kolorierten Ausgabe in einer richtigen „Schatzkiste“. Sie besteht aus einem Pappkarton und hat einen Henkel zum Tragen. Zum stolzen Preis von 29,95 Euro ist die Jubiläums-Ausgabe überall erhältlich, wo es Kinderbücher gibt. (Ab 6 Jahre, Verlag: Thienemann, ISBN-10: 3522183274, ISBN-13: 978-3522183277)

 

Jetzt gibt’s was auf die Ohren: Die Hotzenplotz Hörspiel-Box
Die Neuaufnahme der Hörspiele des Räuberhauptmanns von 2008 erfreute sich bei Eltern und Kindern großer Beliebtheit, denn sie wartete mit so berühmten Sprechern auf wie Ilja Richter als Zauberer Zwackelmann oder Dietmar Bär als Hotzenplotz. Zum 50. Geburtstag gibt es nun alle Folgen in der großen Hörspiel-Box auf sechs CDs zum Superpreis! (Label: Karussell (Universal), ASIN: B007ZXJFWO)

Alle Cover-Abbildungen mit freundlicher Genehmigung vom Thienemann Verlag (www.thienemann.de).

 

Achtung! Nicht verwechseln!

Der Kater Mikesch reagiert übrigens allergisch darauf, wenn man ihn mit der Katze mit Hut verwechselt (die Puppenkisten-Version des Kinderbuchklassikers von Simon und Desi Ruge ist ebenfalls überall auf DVD erhältlich)! Ein aktuelles Bild der Katze können wir leider nicht posten, denn sie hat ihr Haus in der Backpflaumenallee für einen Besuch auf der Schönheitsfarm verlassen. Als Zweitbesetzung hat sich unser Tasmanischer Teufel mit Mütze zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank! ;-)

 

Cap und Capper: Disneys Zeichentrick-Klassiker für die ganze Familie erstmals auf Blu-Ray

Blu-Ray-Veröffentlichung mit Licht und Schatten

Cap ist ein verwaistes Fuchsjunge, Capper ein Welpe. Beide verbringen eine unbeschwerte Kindheit und erleben viele Abenteuer. Ihre Freundschaft wird auf eine Probe gestellt, als Capper zum Jagdhund ausgebildet wird.

Kidsdeal meint:

Bereits seit mehreren Jahren gibt es den Disneys-Klassiker aus dem Jahre 1981 auf DVD zu kaufen. Sechs Monate nach der USA-Veröffentlichung ist die in Bild und Ton überarbeitete Blu-Ray-Version nun auch in Deutschland erhältlich. Wenngleich die Animationen für Walt-Disney-Verhältnisse etwas abfallen, so handelt es sich bei Cap und Capper noch immer um eine liebevolle Fabel für die ganze Familie, in der Motive wie Freundschaft eine zentrale Rolle spielen und Kindern aufgezeigt wird, wie es gelingen kann, jemanden zu akzeptieren, der anders ist: eine pädagogisch wertvolle moralische Botschaft.

Aber lohnt sich der Kauf der Blu-Ray? … Jein!

Wer die DVD bereits sein eigen nennt, der kann die Blu-Ray-Disc getrost im Regal stehen lassen. In Sachen Bildqualität ist man von Disney einiges mehr gewohnt – man denke an die hervorragende Bearbeitung der Meisterwerke „Dornröschen“ oder „Pinocchio“. Bei Cap und Capper sind die Farben leicht verwaschen und der Bildkontrast könnte ebenfalls besser sein.
Für das Alter ist der Ton angemessen, klingt jedoch ab und an blechern.

Positiv: Endlich präsentiert der Film sich im richtigen Bildformat, da die DVD-Fassung seinerzeit an den Seitenrändern beschnitten wurde.

Fazit: Egal, ob Blu-Ray oder DVD: Cap und Capper garantiert einen gemütlichen Nachmittag vor dem Fernseher für Kinder, Eltern und Großeltern.

Produktinformation
• Regisseur(e): Art Stevens, Ted Berman, Richard Rich, Wolfgang Reitherman
• Sprache: Portugiesisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Türkisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS 5.1), Italienisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Arabisch (Dolby Digital 5.1), Niederländisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch, Arabisch
• Region: Alle Regionen
• Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
• FSK: Ohne Altersbeschränkung
• Studio: Walt Disney
• Erscheinungstermin: 10. Mai 2012
• Produktionsjahr: 1981
• Spieldauer: 83 Minuten
• ASIN: B0073ZZELK