Wendy: Warum die erfolgreiche Pferde-Hörspielserie eben kein Mädchenkram ist

Wendy: Pferde, Freundschaft, Abenteuer

Was ist „Typisch Mädchen“, was ist „Typisch Junge“? Manchmal ist das schwer zu beantworten.

Und eigentlich ist das auch ganz gut so, schließlich soll jeder machen, was er will. Aber Einiges wird wohl noch längere Zeit auf dem fest eingetretenen Pfad verbleiben: Die Ritterburg, die Carrera-Rennbahn, das Plastik-Gewehr… das sind nach wie vor klassische Spielzeuge, die für die männlichen Kids entworfen werden.

Das Barbie-Traumhaus, Polly Pocket, Prinzessin Lillifee wiederum richten sich an die Damen von morgen. So ist es auch meist bei klassischem Pferdespielzeug… allerdings gibt es glücklicherweise zwei löbliche Ausnahmen, die sich jedoch erst bei näherem Hinsehen als solche zu erkennen geben:

Da wäre zunächst die beliebte Serie „Bibi und Tina“, die eine ungewöhnlich hohe männliche Fangruppe hat. Und das liegt ganz einfach daran, dass es hier nicht um neue Reitstiefel, tolle Frisuren oder bescheuerte neue Deckchen für die tierischen Rübenfresser geht. Vielmehr stehen Familien- und Geldkonflikte, Abenteuer und Streiche, Naturschutz und Freundschaft im Vordergrund: Themen eben, die alle Kinder interessieren und keine Klischees bedienen.

Die Abenteuer von „Bibi und Tina“ habe ich hier bei KidsDeal schon öfter vorgestellt. Zu meinen Neuentdeckungen gehört jedoch die Kiddinx-Hörspielserie „Wendy“. Diese hat zwar auch schon etliche Jahre auf dem Buckel (genauso wie die olle Stute aus den 80ern), jedoch werden noch immer neue Folgen produziert, denn der Erfolg ebbt nicht ab. Jetzt, wo ich die ersten fünf Episoden gehört habe, weiß ich auch den Grund dafür!

Bei „Wendy“ ist ebenfalls wie bei „Bibi und Tina“ alles dabei, was es benötigt, um sowohl Mädels als auch Jungs in Aufregung zu versetzten:

Wendy Thoorsteg ist 15 Jahre alt und erlebt gemeinsam mit ihren Freunden viele spannende Geschichten. Anders als es die Hörspiel-Cover erwarten lassen, geht es niemals zu sehr um Pferdethemen: Wendy hat es mit Wilderern, Gaunerbanden, Brandstiftern oder Naturschützern zu tun. Ebenfalls spielen die ersten Liebeleien eine Rolle – und es ist bei Weitem nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen: kleine Intrigen von Mitschülern, Betrügereien von korrupten Geschäftsmännern, all das gehört ebenfalls in die Wendy-Welt, so dass man keineswegs sagen kann, die Serie ist darauf ausgelegt, neue Blondchen mit Schmink-Fetisch heranzuziehen.

Wie von Kiddinx gewohnt sind die Sprecher erste Sahne: Ranja Helmy (Tick, Trick und Track in „Duck Tales – Geschichten aus Entenhausen“) gibt eine sehr natürliche und sympathische Titelheldin und im Ensemble tummeln sich Synchronschauspieler-Urgesteine wie Marianne Gross (Claire Huxtable aus der „Bill Cosby Show“) oder Ingeborg Wellmann (Betty Geröllheimer aus der „Familie Feuerstein“). Ein besonderes Schmankerl ist der Erzähler  Hubertus Bengsch – u.a. deutsche Stimme des Hollywood-Stars Richard Gere.

KidsDeal-Fazit:

Wendy macht wirklich Spaß, bietet tolle Storys und Sprecher… und ist keineswegs „Typisch Mädchen“. Für Alt und Jung geeignet, unbedingt reinhören!

Von Benjamin Vahldiek

Schauspielerin Arianne Borbach im Interview Teil 2: Barbie, Bibi, Sherlock Holmes…

Von Benjamin Vahldiek

Die vielbeschäftigte Schauspielerin Arianne Borbach ist nicht nur im Synchrongeschäft gefragt (unter anderem leiht sie Hollywood-Stars wie Catherine Zeta-Jones, Demi Moore oder Helen Hunt ihre Stimme), sondern auch in Hörspielen. Diverse große Rollen hat sie bereits interpretiert. Nachdem der ersten Teil des Interviews schon hier veröffentlicht wurde, geht es heute um Ariannes Arbeit rund um tolle Produktionen für Kinder und Jugendliche.

 

Wer waren die Helden deiner Kindheit?

Wir haben viele Schallplatten gehört. Die allerliebste war uns vier Schwestern und meinen Eltern „Märchen aus aller Welt“. Und darauf besonders „Das Katzenhaus“. Wunderbar! Wir haben sie oft in den kalten Monaten am Wochenende gemeinsam bei Kerzenschein gehört. Noch heute wird in passenden Momenten daraus rezitiert. Dann erinnere ich mich sehr gern an die Nachmittage, an denen ich als erste aus der Schule kam. Da lief jeden Tag auf dem „Berliner Rundfunk“ ein Kinderprogramm und ich glaube, es gab dreimal die Woche sogar Hörspiele. Da hab ich mich in die Küche verzogen, mir „heimlich“ ein Bratbrot gemacht und es genossen. Na, und dann natürlich am Samstagnachmittag „Professor Flimmrich“ im Fernsehen: Wwas liefen da für liebevolle Kinderfilme! Die russischen und tschechischen Märchen! Ich weiß nicht, wie oft wir „Abenteuer im Zauberwald“ gesehen haben.

Barbie, Benjamin Blümchen, Bibi & Tina und viel mehr…

In welchen Produktionen für Kinder hast du schon gesprochen?

Oh, in einigen! Oft und gern werde ich besetzt in den „Barbie“-DVDs, als eine gute Fee oder sowas ähnliches. Auch bei „Benjamin Blümchen“ bin ich auf einer DVD als ganz kranke Mutti zu hören. Es ist die Weihnachtsfolge „Die Eisprinzessin“. Und relativ stolz bin ich auf „Träumereien an französischen Kaminen“ vom Hörspiellabel Titania. Da lesen verschiedene Schauspielkollegen Märchen… und ich bin auch dabei und interpretiere zwei davon.

Worin liegt der Unterschied zwischen Synchronisierung und dem Sprechen in einem Hörspiel?
Beim Hörspiel kann ich selbst kreativ sein, mir überlegen, wie ich eine Figur anlegen möchte. Das kommt dem Theater schon näher… am Theater hab ich zum Beispiel viele Jahre die böse Fee in „Dornröschen“ gespielt. Und da musste ich mir genau überlegen, wie ich darstellen kann, warum sie so furchtbar und grausam ist. Schließlich kommt ja kein Mensch als Schurke auf die Welt. Ich hab es also geschafft zu zeigen, dass sie einfach nur zutiefst verletzt und beleidigt war, dass man sie ausgeladen hatte und dass sie aber eigentlich nur ein kleines Würstchen ist…

Im Synchron habe ich ein fertiges Werk vor mir, dem ich möglichst nahe kommen muss. Aber nicht einfach nur „nachäffen“- ich muss die Darstellung meiner ausländischen Kollegin (Catherine Zet- Jones oder Cate Blanchett) ja über die Stimme, mit meinen Emotionen und meiner Seele füllen – aber ich bin natürlich aufgrund der Vorlage schon sehr eingeschränkt. Dennoch glaube ich, dass man hören kann, ob ein Synchronsprecher fühlt, was er spielt, oder ob es „einfach nur Technik“ ist…

Ob du es glaubst oder nicht: Manchmal hab ich nach der Arbeit Muskelkater vom Synchronisieren, weil ich mich ja vorm Mikro nicht bewegen darf, mein Körper sich aber im Geist bewegen muss. Hört sich komisch an! (Nö, tut es nicht! Anmerkung Red.)

Anspruchsvolle Hörspiele für Kinder und Erwachsene: Arianne bei „Titania“

An der Hörspielarbeit beim Label „Titania“, wo ich ja schon viele Rollen gesprochen habe – zum Beispiel oft in der Serie „Gruselkabinett“ -, mag ich besonders, dass da Menschen mit viel Herzblut arbeiten und nicht einfach nur abliefern oder den Blick stur auf den Profit richten.

Mit Marc und Stephan, den Titania-Produzenten, verbindet mich auch sehr viel. Ich schätze ihre absolute Hingabe zu ihren jeweiligen Arbeiten und die Verehrung „ihrer“ Schauspieler. Das ist durchaus nicht branchenüblich. Vor unserer ersten gemeinsamen Arbeit („Die Familie des Vampirs“) rief mich Stephan an und fragte mich, ob er mir eine CD schicken dürfe und wenn ich mit der Arbeit einverstanden sei, ob sie mich dann auch bitten dürften, eine Rolle bei ihnen zu spielen. Das war nicht anbiedernd sondern hochachtungsvoll. Und das fühlt sich sehr angenehm an. Ich fühl mich geborgen und bin somit viel freier bei der Arbeit und kann mich auch mehr öffnen. Da sie wissen, dass ich ein großer Fan ihrer Produktionen bin, erhalte ich jede CD von ihnen… musste schon neue Regale kaufen! “Gruselkabinett“, die „Anne“-Serie“ „Sherlock Holmes“ – ich habe sie alle. Wenn ich Zeit habe, schreibe ich ihnen meine Meinung und bedenke sie natürlich mit Urlaubskarten und Adventskalendern. Denn es freut mich zu sehr, wenn ich höre, was sie aus vielen meiner Kollegen herauskitzeln und ich diese wiederum neu schätzen lerne.

Der Dauerbrenner für Pferdefans: „Bibi und Tina“ – Arianne als Frau Martin

Von „Kiddinx“, wo ich ja bei „Bibi und Tina“ die Frau Martin bin, bekomme ich immer Geburtstags- und Weihnachtskarten – von allen Mitarbeitern signiert. Und zu meiner Hochzeit gab es einen riesengroßen Blumenstrauß.

Zu guter Letzt: Der Arbeitsablauf und –aufwand bei Kiddinx ist unvorstellbar… zum Beispiel die „Bibi und Tina“-Zeichentrickfolgen… bevor die einzelnen Folgen richtig gezeichnet werden, geht es erst einmal so los: Wir nehmen das Layout alle gemeinsam auf, haben ein Script mit den Skizzen für jede einzelne Einstellung vor uns mit zweisprachigem Text (weil natürlich nicht in Deutschland, sondern in Asien animiert wird), damit wir beispielsweise Entfernungen der Figuren sehen können, die konkret vorgestellten Situationen oder wie besorgt oder verwundert oder sonst etwas Frau Martin in der konkreten Szene gerade ist. Dann wird das alles in den Zeichentrickstudios fertiggestellt auf Basis unserer Sprachaufnahmen. Anschließend kommt das Material wieder zurück zu Kiddinx. Und dann werden wir nach einem halben Jahr nochmal vors Mikro gebeten, wenn Animationen arg asynchron geworden sind oder die Bilder doch anders aussehen, als das, was wir im Layout gemacht haben. Hinter einer Folge steckt so viel Arbeit… Dass dabei noch Gewinn herausspringt… Aber wahrscheinlich bin ich zu naiv. (lacht)

Vielen Dank, liebe Arianne, für dieses ausführliche Interview und weiterhin viel Freude bei deiner Arbeit!